V. Überstaatliche Bindungen des Jchs
schaftlich ruinieren. Wer mir aber an die Kehle greift, dem schlag ich
den Schädel ein, wenn ich kann. Das stumme Dulden ist nicht
jedermanns Sache — eigentlich ist's doch nur etwas für kapitalkräftige
Leute ~ und wer nicht heuchlerisch mit zweierlei Maß
messen mag, darf ruhig zugeben, daß sehr viel Notwehr gerade in
jenen Erzeugnissen der Heineschen Muse steckt, die wir heute nur
schwer mehr ertragen können.
Wie der ältere Heine vom jungen, so unterscheidet sich das
jüdische Geschlecht, das unter Wilhelm Ik. das große Wort führte,
sehr merklich. von dem, das zur Zeit der Reichsgründung die Führung
hatte, Lasker und Bamberger waren von anderem Schlag als
Maximilian Harden und Rosa Luxemburg. Sehr merklich unterscheiden
sich auch, für den unbefangenen Blick, die alteingesessenen
jüdischen Familien des Westens und Südens von denen, die über
Polen und Breslau und Wien von der großen Saugpumpe Berlin
ins Land gezogen wurden. Zwischen den beiden großen Massen-Denkorganen,
die das deutsche Judentum ins Leben gerufen hat, zwischen
Frankfurter Zeitung und Berliner Tageblatt ist die Scheidelinie
immer noch klar zu erkennen.
Auf je höherer Kulturstufe die deutschen Juden standen, um so
peinlicher ist es ihnen gewesen, daß die ahnungslose Regierung
der „„Volksbeauftragten““ einen ganzen Heuschreckenschwarm bildungsloser
Ostjuden ungehindert ins Deutsche Reich einschwärmen
ließ. Gesagt haben sie nichts, aber was sie gedacht haben, darüber
wird der nicht im Zweifel sein, der sich je mit einem von ihnen
unter vier Augen über diese Frage unterhalten hat.
Wenn es aber Tatsache ist, daß das jüdische Ich örtlich bedingten
Unterschieden und zeitlichen Wandlungen unterliegt, dann ist
es unberechtigt, das Judentum in Bausch und Bogen als eine
Gefahr für das Deutschtum abzulehnen. Wenn auch das jüdische
Ich erfahrungsgemäß mit unter den Satz fällt „Tempora mutantur
et nos mutamur in illis“ — die Zeitverhältnisse wandeln
sich und wir uns mit ihnen ~ dann ist die Annahme durchaus zulässig,
die heute noch bestehende Rassenfremdheit zwischen dem
deutschen Ich und dem jüdischen Ich werde in absehbarer Zeit
nicht schwerer mehr empfunden werden, als etwa die Volks-99