1.2 Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
Mode bestimmen zu lassen. Denn im ganzen sind wir gar nicht so
unabhängig in dieser Wahl, wie es auf den ersten Blick erscheint:
unbewußt einem Zuge der Gemeinsamkeit, zum Teil auch der Bequem-
lichkeit folgend, ersieht man sich meist die Arbeitsgebiete, welche
bereits in Angriff genommen sind, und es läßt sich faßt das Paradoxon
aufstellen, daß auf denjenigen Gebieten am wenigsten gearbeitet wird,
wo noch am meisten zu tun ist, ja oft genug finden bedeutende For-
schungen kaum Beachtung und keine Nachfolge, nur weil zur Zeit
niemand auf dem Gebiet arbeitet. Wohl hat dieser Zug der Gemein-
samkeit eine unverkennbare Berechtigung, insofern es zweckmäßig ist,
ein einmal angegriffenes Gebiet möglich zu durcharbeiten, ehe andere
angegriffen werden, und insofern nur durch die gemeinsame Tätigkeit
vieler eine vollständige Durchforschung ganzer Epochen usw. möglich
ist. Allein es kommt immer ein Zeitpunkt, wo einstweilen mit den
vorhandenen Hilfsmitteln auf einem allseitig durchforschten Terrain
nicht mehr ergiebig zu wirken ist; es gibt namentlich überall einzelne
beliebte Themate, welche völlig erschöpft sind und trotzdem immer
noch von neuem gewählt werden ... es ist bedauerliche Arbeitsver-
geudung, wenn immer wieder untersucht wird, wo Armin den Varus
geschlagen hat, welche Zusicherungen Pippin und Karl der Große den
Päpsten gemacht haben u. dgl., vorausgesetzt, daß der Bearbeiter sich
nicht von vornherein bewußt ist, mit neuen Hilfsmitteln oder neuer
Auffassung wirklich ergiebige Resultate wenigstens erhoffen zu können,
Und das ist es, worauf es ankommt: man soll sich von vornherein
möglichst klar machen, was man wissen will, und ob man nach der
ganzen Sachlage Aussicht hat, mit seiner Forschung etwas zu er-
reichen.“
Über individuelle Wahl des Themas zu schriftlichen Arbeiten
bietet manche Anregung H, Veihinger, Die Philosophie in der Staats-
prüfung (Berlin 1906) p. 28—51.
40. Gesichtspunkte für die Wahl des Themas,
Die Fragestellung ist natürlich auf den verschiedenen Ge-
bieten der wissenschaftlichen Arbeit sehr verschieden. Es
lassen sich aber doch gewisse allgemeine Gesichtspunkte
ins Auge fassen, auf welche man bei der Wahl seines
Themas zu achten hat. In den Worten Bernheims werden
die wichtigsten derselben schon kurz berührt; es wird aber
nicht ganz überflüssig sein, einige Punkte ausdrücklich
hervorzuheben.
1. Zuallererst muß man bei der Wahl eines Gegen-
standes auf seine eigenen Verhältnisse Rück-
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