114 Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
der orientalistischen Studien für jemand, der in den ein-
schlägigen orientalischen Sprachen nicht sattelfest wäre.
Anderseits wird die Kenntnis mehrerer Grenzgebiete, die
vielfach ineinander übergreifen, ein wichtiger Fingerzeig
für die richtige Wahl eines passenden Themas sein können.
So würde z. B. demjenigen, der gute Kenntnisse aus den
Naturwissenschaften mit dem Ertrag langjähriger theolo-
gisch-exegetischer und orientalischer Studien verbindet,
eine Frage aus dem Gebiet der biblischen ‘ Naturwissen-
schaften naheliegen und fruchtreiche Behandlung versprechen.
So selbstverständlich vielleicht manchem diese Bemerkungen
scheinen mögen, so wenig werden sie oft genug in der Praxis be-
achtet. Würden nicht z. B. in den so beliebten patristischen Arbeiten,
selbst wenn sie zum strengwissenschaftlichen „Corpus scriptorum eccle-
siasticorum latinorum“ gehören, manche bessere Erfolge erzielt worden
sein, wenn der Mangel der notwendigen theologischen Schulung bei
der Zuweisung der Aufgabe an einzelne Mitarbeiter mehr in Anschlag
gebracht worden wäre? Oder kann man sich wundern, daß ein ge-
lehrtes zweibändiges Werk über die Gleichnisreden Jesu in seinem
wissenschaftlichen Ergebnis zum allergrößten Teil als völlig verfehlt
bezeichnet werden muß, wenn der Verfasser mit den in den Parabeln
vorausgesetzten Verhältnissen Palästinas ganz und gar nicht vertraut
ist? Es ist nicht notwendig, hier auf solche und ähnliche naheliegende
Beispiele ausführlicher einzugehen.
2. Mit der Beachtung der eigenen Fähigkeiten. und
Neigungen und Kenntnisse muß sodann bei der Wahl des
Themas auch die Rücksicht auf die Hilfsmittel ver-
bunden werden, die. einem bei der Arbeit zur Verfü-
gung stehen.
a) In dieser Hinsicht müssem vor allem die Biblio-
theksverhältnisse in Betracht gezogen werden, die
vielleicht für ein Thema günstiger sind als für ein anderes.
Wenngleich der Leihverkehr in der Benutzung der Biblio-
theken große Erleichterungen gewährt, so bleibt es doch
immer eine mißliche Sache, für einen großen Teil seiner
Arbeit beständig auf die Hilfe von auswärts angewiesen
zu sein.
ö) Es ist ferner in Erwägung zu ziehen, ob und in
welchem Maße archivalische und handschriftliche