N Bedeutung der Themawahl und ihre Praxis
artigen Frage leicht abgeht. Doch läßt sich diese Gefahr
bei einiger Umsicht wohl überwinden, und im allgemeinen
tut es der Würde der wissenschaftlichen Forschung durch-
aus keinen Eintrag, wenn von ihrem reichbesetzten Tische
nicht bloß ganz kümmerliche Krümchen für die Hungernden
draußen abfallen. Mögen immerhin hilfsbereite Hände den
gefüllten Brotkorb nehmen und unter die Menge verteilen:
edle Freigebigkeit ist des Adels schönste Zier.
Leider ist die Klage nur zu berechtigt, daß vielfach
vom "Tisch der Wissenschaft kaum noch armselige Bro-
samen für die weiteren Kreise abzufallen pflegen. Fast
mag es scheinen, als ob das „Odi profanum vulgus et
arceö“ Regel und Richtschnur für die Männer der Wissen-
schaft sein müsse. Doch wenn nicht alles täuscht, ist auch
hierin eine Wendung zum Bessern eingetreten. Sie wird
noch schönere Früchte zeitigen, wenn bei der Wahl des
Themas die Rücksicht auf die Bestrebungen und die Be-
dürfnisse und den größeren Nutzen vieler nicht von der
Hand gewiesen wird.
41. Bemerkungen für die Praxis. Da die Wahl
eines wissenschaftlichen Arbeitsgebietes von der weittra-
gendsten Bedeutung ist und nicht selten für die Richtung
eines ganzen Menschenlebens den Ausschlag ‚gibt, dürfen
sich den Gesichtspunkten für die rechte Wahl des Themas
noch einige Bemerkungen für die Praxis anschließen. Sie
nehmen naturgemäß zunächst auf die Anfänger Rücksicht,
denen sich die Schwierigkeiten der Themawahl ja für ge-
wöhnlich am meisten fühlbar machen.
1. Zunächst ist es sehr empfehlenswert, vor der
Entscheidung den Rat eines erfahrenen Mannes
einzuholen, dem man ein Urteil in dieser Frage
zutraut.
Der besondere Grund, der diese allgemeine Regel der
Klugheit gerade hier in vorzüglicher Weise nahelegt, ist in
den hohen Anforderungen an eine richtige Fragestellung
zu suchen. Die rechte Fassung der Frage setzt ja voraus,
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