Quellenkunde
44. Notwendigkeit und Bedeutung. 1. Die Not-
wendigkeit der Quellenkunde ergibt sich zuvörderst mit
Rücksicht auf die ersten Schritte zu Beginn der wissen-
schaftlichen Laufbahn ganz von selbst. Die Neuheit der
Aufgabe, die. Schwierigkeit der Arbeit, die mannigfaltige
Fülle des Materials, das oft aus weitentlegenen und zer-
streuten Angaben und Tatsachen gesammelt werden muß,
alles ist gar sehr dazu angetan, den Mut und die Ausdauer
des Anfängers auf eine harte Probe zu stellen. Er sieht
sich ringsum von kleinen und großen Lichtern umgeben:
wohin soll er sich wenden? Wird’s kein Irrlicht sein, wenn
er diesem oder jenem zu folgen sich entschließt?
Vor Irrwegen kann ihn nur eine gründliche Kenntnis
der Quellen für seine Arbeit und der notwendigen Hilfs-
mittel zu Beginn derselben bewahren. Sie wird ihn ohne
unnütze Vergeudung von Zeit und Kraft gleich zum rechten
Platz hinführen, wo er seine Hacke und seinen Hammer
gebrauchen kann.
2. Die Praxis ist daher auch so überzeugt von dieser
Notwendigkeit der Quellenkunde, daß sie es so ziemlich
bei jeder Arbeit als erstes betrachtet, sich die „Literatur“
zum Thema zu beschaffen, d. h. eben die Quellen und
Hilfsmittel zur Auffindung des Materials für die Arbeit.
Freilich kommt es dabei nicht so sehr auf eine möglichst
vollständige Liste der Bücher und Schriften an, als viel-
mehr auf die praktische Vertrautheit mit dem Quellen-
material der Arbeit und mit den Hilfsmitteln, die zur
Auffindung desselben dienlich sein können. Die Praxis
nimmt aber doch in jedem einzelnen Falle die Dienste der
Quellenkunde als ganz unumgänglich notwendig für die
wissenschaftliche Arbeit in Anspruch.
3. Sie hat jedoch diese Dienste auch während der ganzen
Arbeit immer wieder nötig. Denn mit dem einmaligen
Benutzen der Quellen ist die Aufgabe des Jüngers der
Wissenschaft‘ noch längst nicht gelöst. Auch wenn er
schon ergraut ist in ihrem Dienste, muß er immer wieder
zu den Quellen zurück, um neues Material zu schöpfen
132