Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Bemerkungen für die Praxis 
schriften herantreten und nicht mit dem Studium der 
bearbeitenden Literatur beginnen. Man soll sich von Anfang 
an gewöhnen, „unbefangen in das Quellenmaterial einzu- 
tauchen und sich eine bestimmte Ansicht zu bilden, um 
dann später zu der bisherigen Literatur kritisch Stel- 
lung zu nehmen, wobei die Notwendigkeit, dann abermals 
an die Quellen heranzutreten, nur fördernd wirken kann“ 
(H. Schrörs in: Deutsche Litztg. 29 [1908] 3083). 
3. In der Benützung der‘ Quellen ist sodann auf die 
rechte Ordnung zu.achten. 
Im allgemeinen fordert dieselbe richtige Unterschei- 
dung und gehörige Reihenfolge. Die verschiedenen 
Teile der Arbeit sollen zwar nach deren Beendigung zu 
einem einheitlichen, organischen Ganzen verbunden sich 
gegenseitig durchdringen, beleuchten und ergänzen. Sie 
haben aber nicht alle die gleiche Wichtigkeit und können 
deshalb nicht alle den gleichen Anspruch auf Berücksichti- 
gung während der Sammelarbeit erheben. Man wird daher 
gut tun, von Anfang :an die Haupt- und Nebenfragen 
nach Möglichkeit zu scheiden und den ersteren die ihnen 
gebührende größere Aufmerksamkeit auch beim Quellen- 
studium zuzuwenden. 
Hinsichtlich der Reihenfolge ist zunächst das allge- 
meine Gesetz zu beachten, daß die menschliche Erkenntnis 
stets vom Bekannteren zum weniger Bekannten fortschreitet 
und bei der positiven Forschung analytisch-synthetisch vor- 
zugehen hat: indem vom Konkreten und Besonderen, von 
den Tatsachen der Erfahrung und der Geschichte und von 
den Erscheinungen der Außenwelt ausgegangen wird, und 
bei dieser Sammlung von Tatsachen die einzelnen Fakta 
zu einem geschlossenen Kreise so aneinander gereiht wer- 
den, daß man daraus den Schluß auf das Abstrakte und 
Allgemeine ziehen und so das Verständnis von Gesetz und 
Ursache gewinnen kann!). Man muß daher bei den hier 
an erster Stelle in Betracht kommenden Arbeiten vor allem 
1) Vgl. Alb. Stöckl, Lehrbuch der Philosophie 1 (Mainz 1905) 
211 f. 
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