Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Bemerkungen für die Praxis 3 
terungen über den etwaigen Einfluß einer Schrift auf wei- 
tere Kreise und ihre Benutzung bei späteren Autoren für 
gewöhnlich auch beim Quellenstudium dem letzten Stadium 
der Arbeit zuzuweisen sind. 
4. Die Lektüre und das Studium der einzelnen 
Quellenschriften ist je nach dem Charakter und 
der Bedeutung derselben verschieden zu bemessen. 
Daniel Georg Morhof zitiert zur Bestätigung dieser 
Regel die zutreffenden Worte des Francis Baco von Ve- 
rulam, der sich darüber in seinem 48. „Sermo fidelis“ also 
äußert: „Sunt libri quos leviter tantum degustare convenit; 
sunt quos deglutire cursimque legere oportet; sunt deni- 
que, sed pauci admodum, quos ruminare et digerere par 
est: hoc est, libri quidam per partes tantum inspiciendi; 
alii perlegendi quidem, sed non multum temporis in iisdem 
evolvendis insumendum ; alii autem pauci diligenter evol- 
vendi et adhibita attentione singulari“*). Zur letzten Klasse 
gehören jene Schriften, die sich ausführlich mit dem Gegen- 
stand unserer Arbeit beschäftigen und die als erstklassige 
Quellen für denselben anzusehen sind. Von solchen Quellen- 
schriften gilt das Wort Alexandre Fichets: „Qui fontes in- 
venit, multum et multa legit, cum principiis insint omnia; 
qui rivulis irretitur licet multis, legendo multa parum aut 
nihil legit“?). 
Um daher unnütze Vergeudung der Zeit bei dem 
Quellenstudium zu vermeiden, ist es notwendig, zugleich 
mit der Übersicht über die einschlägige Literatur sich auch 
ein richtiges Werturteil über den Charakter und die Be- 
deutung der einzelnen Quellen oder wenigstens der wich- 
tigeren unter ihnen zu bilden. 
5. Ein Hilfsmittel, um zu diesem richtigen Werturteil 
zu gelangen, ist in vielen Fällen schon durch die Kennt- 
nis der Person des Autors, seiner Werke und seiner 
Arbeitsweise geboten. 
' D. &@. Morhof, Polyhistor litterarius 2 c. 8 p. 409. 
2) Al. Fichet, Arcana studiorum methodus c. 7 p. 17. 
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