Notwendigkeit und Nutzen A
non retuli“') oder die des Johannes Sturm: „Sed ego non
feci et dolet me non fecisse, atque utinam monitus fuissem
a praeceptoribus, ut hoc facerem: utilior vobis esse possem
hoc tempore quam sum“?). Ähnliche Klagen sind ja auch
aus unserer Zeit z. B. von Eduard Meyer u. a. bekannt.
9. Schon für jedes Studium kann man mit Jeremias Drexel
die Notwendigkeit der Kollektaneen durch das Beispiel und
Zeugnis der Gelehrten aller Stände und aller Zeiten be-
stätigen und sagen: „paene omnium eruditorum vocibus et
exemplis excerpta et notas commendari, immo hoc genus
industriae tam esse necessarium, ut eo neglecto vix ullus
sit ad eruditionem solidam accessus“®). Von jeder Lektüre
gilt das Wort desselben Autors: „Legere et nihil selegere
meo iudieio neglegere est“*). Wer bloß liest, unterscheidet
sich von dem, der liest und Aufzeichnungen für seine Kollek-
taneen macht, wie der Schmetterling von der Biene. Beide
fliegen umher von Blume zu Blume und besuchen die
duftenden Kräuter und holen sich aus den gleichen Gärten
und Auen ihre Nahrung. Der Schmetterling trägt aber
nichts heim, während die Biene in ihren Waben mit uner-
müdlicher Kunstfertigkeit den köstlichen Honig und das
nutzbringende Wachs bereitet und mit der Sorge für das
eigene Bedürfnis hundertfachen Nutzen für den Menschen
zu schaffen weiß. Nur die reichgefüllten Honigwaben der
Kollektaneen ermöglichen es, zugleich sich und anderen
Genuß und Freude und reichen Nutzen zu bringen”), Nur
so vermag der Gelehrte als ein Schüler des Himmelreiches
gleich einem klugen Hausvater aus seiner Vorratskammer
Altes und Neues hervorzubringen (Matth. 13,52).
!) Joh. Casaubomus, Epist. 309 bei D. &, Morhof, Polyhistor
litt. 1, 560 n. 6.
?) Joh. Sturm, bei D. G. Morhof, Polyhistor litt. 1, 560 n, 6.
8) Jerem. Drexel, Aurifodina 1 c. 7 p. 66.
4 Ders ebd. 1 a1 pp
5) Vgl. J. Weitenauer, De modo legendi et excerpendi 2 c. 1
p. 367 f.
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten, 3, Auf.
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