Das Verständnis der Quellen
b) Durch den Zusammenhang lernen wir ferner den
Gegenstand eines Textes sowie die Absicht und den
besonderen Zweck des Autors näher kennen. Beide
Punkte können wiederum die allgemeine Bedeutung eines
Ausdruckes oder Satzes genauer begrenzen und den wahren
Sinn uns klar machen.
c) Ein sehr wichtiges Hilfsmittel ist weiterhin die Ver-
gleichung von wort- oder sachgemäßen Paral-
leltexten desselben oder eines ihm nahestehenden Autors.
Dabei werden. die sachlichen Parallelen in der Regel von
größerem Nutzen sein als ähnliche Wortverbindungen und
ein zweiter Text des gleichen Autors führt besser und
sicherer zum Ziele als Stellen verschiedener, wenngleich
verwandter Schriftsteller.
d) Bei dieser Vergleichung von Paralleltexten werden
sich für gewöhnlich zwei Regeln als zutreffend erweisen:
a) Zweideutige und unklare Stellen müssen nach klaren
und eindeutigen Worten erklärt werden. „Obscuriora per
clariora illustranda ‘sunt“. Doch können auch zwei für sich
allein unklare Stellen durch Gegenüberstellung einander
zuweilen etwas aufhellen.
ß) Kurze Erwähnungen und knappgefaßte Ausdrücke
sind nach ausführlichen Erörterungen über denselben Gegen-
stand zu erläutern: „Breviora per longiora explicanda sunt“.
58. Das inhaltliche Verständnis. Die Bestim-
mung der allgemeinen Bedeutung und des besonderen
Sinnes der Worte und Sätze eines Autors soll in der Regel
nur ein Mittel sein, um. zum rechten Verständnis des In-
haltes seiner Worte zu gelangen und dadurch seine Ge-
danken und Vorstellungen in unserem Geiste wieder auf-
leben zu lassen. Das volle sprachliche Verständnis wird
uns zwar schon irgendwie mit diesem sachlichen Inhalte
eines Textes bekannt machen. Aber es muß diese Kenntnis
nach allen: Seiten hin noch bedeutend vertieft werden, da-
mit wir uns die Begriffe und Vorstellungen eines Autors
möglichst vollkommen vergegenwärtigen können. Zu diesem
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