Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Einleitendes. Hilfsmittel 7 
Die Schwierigkeit dieser Feststellungen, vorzüglich hinsicht- 
lich des zweiten Punktes, fordert aber stets große Vor: 
sicht bei der Verwendung des negativen Beweises, insbe- 
sondere gegenüber wichtigen Tatsachen. Eine ausführliche 
Behandlung dieser Frage gehört jedoch in das Gebiet der 
Geschichtsforschung. 
61. Hilfsmittel. Für die Lösung der besonderen 
Aufgaben bei der Beurteilung eines Textes stehen uns teils 
äußere teils innere Hilfsmittel zur Verfügung. Die äußeren 
können wir unter der allgemeinen Bezeichnung von Text- 
zeugen zusammenfassen. Es sind solche Nachrichten über 
den Text, die wir nicht der inneren Beschaffenheit des- 
selben, sondern äußeren Zeugnissen über ihn entnehmen. 
Die inneren Kriterien werden uns hingegen durch die kri- 
tische Untersuchung des Textes selbst an die Hand gegeben. 
A. Äußere Textzeugen. Man pflegt die äußeren 
Textzeugen für gewöhnlich nur als „Quellen der Lesarten“ 
eines Textes bei der grammatischen oder allgemein philo- 
logischen Kritik desselben zu behandeln. Wenngleich sie 
bei solchen Untersuchungen die wichtigste Rolle spielen, 
kommen sie doch auch bei allen anderen Erörterungen in 
der Beurteilung eines Textes (und zum Teil auch schon 
für das Verständnis der Quellen) mehr oder weniger in 
Betracht. Sie verdienen daher eine kurze allgemeine 
Erwägung‘). 
1. Zu den äußeren Textzeugen gehören: a) die Hand- 
schriften (codices). Den größten Wert für die Beur- 
teilung eines Textes hat natürlich die Originalhandschrift 
oder das Autograph ‚des Verfassers. Gewöhnlich müssen 
wir uns aber bei den älteren Texten mit späteren Ab- 
schriften begnügen. Für die Verwertung der Handschriften 
ist wie bei ’allen Zeugen ihr Alter und ihre Herkunft, 
ihre Erhaltung und ihre Zuverlässigkeit maßgebend. Die 
älteren Manuskripte sind zwar in der Regel, aber noch 
1 Vgl. 4. Boeckh, Enzyklopädie? 195—204; Friedr. Blass in 
Handbuch d. klass. Altert. 1? 277—89. 
Fonck, Wissenschaftliches Arbeiten. 2 Aufl 
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