Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

222 Die Beurteilung der Quellen 
Das Studium dieser und ähnlicher Schriften wird insbesondere 
den Anfängern den rechten Weg für eine historisch - kritische Unter- 
suchung besser und klarer zeigen, als es durch theoretische Regeln 
geschehen kann. 
63. Erhaltung und Unverfälschtheit des Tex- 
tes. Zur Beurteilung unserer Quellen ist es an erster Stelle 
erforderlich, ihren Ursprung zu kennen und möglichst genau 
zu wissen, von wem und woher und aus welcher Zeit sie 
stammen. Wir müssen uns aber auch über den uns vor- 
liegenden Text sorgfältig zu unterrichten suchen, um bei 
der Beurteilung, die im ganzen wie im einzelnen an die 
konkrete Gestalt des Textes anknüpfen muß, nicht fehlzu- 
gehen, Zu diesem Zwecke ist die Untersuchung der Text- 
erhaltung und die Prüfung seiner Unverfälschtheit notwendig. 
1. Das Verfahren bei dieser textkritischen Untersuchung 
entspricht ganz dem Vorgehen bei der Prüfung des Ur- 
sprunges unserer Quellen. 
a) Zuerst müssen wir mit möglichster Vollständigkeit 
die äußeren Textzeugen vernehmen, um durch sorg- 
fältige Kollation ein sicheres Urteil über die uns erhaltene 
Textüberlieferung zu gewinnen. Dabei haben wir vor allem, 
wie wir sahen, auf die Verwandtschaft der verschiedenen 
Zeugen zu achten, um aus dem Verhältnis der einzelnen 
Familien zueinander und zu ihrem gemeinsamen Urbild 
nach Möglichkeit die älteste erreichbare Textgestalt herzu- 
stellen. Glücklicherweise ist für sehr viele Texte durch 
gute kritische Ausgaben diese erste Arbeit schon bedeutend 
vereinfacht und erleichtert. Eine Nachprüfung des kriti- 
schen Verfahrens und eine sorgfältige Berücksichtigung der 
im Apparatus ecriticus angegebenen Textzeugen bleibt uns 
aber für die eigene wissenschaftliche Arbeit nicht erspart. 
b) Zur Untersuchung der Textzeugen muß sodann die 
Prüfung der im Texte selbst gegebenen inneren Krite- 
rien hinzukommen. Sie zeigen uns in Verbindung mit 
den äußeren Zeugen die verschiedenen Anlässe, an der 
Richtigkeit der überlieferten Textgestalt zu zweifeln. Der 
erste äußere Anlaß dazu ergibt sich aus den verschiedenen
	        
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