Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

3 Die Zitate 
Über die Bedeutung und Berechtigung des Zitates ist zu ver- 
gleichen: Wladislaus Switalski, Die erkenninistheoretische Bedeutung 
des Zitates. Ein Beitrag zur Theorie des Autoritätsbeweises, Brauns- 
berg 1905 (Verzeichnis der Vorlesungen am kgl. Lyceum Hosianum im 
Sommersemester 1905). 
3. Außer dieser Hauptbedeutung kommt ferner noch in 
Betracht der Wert des Zitates als Literaturangabe, wo- 
durch der Leser auf eine parallele oder eine ausführlichere 
oder auch eine abweichende Behandlung der Frage oder 
auf die einschlägigen Quellen hingewiesen werden soll. 
Daß auch unter dieser Rücksicht das Zitat seine volle Be- 
rechtigung hat, läßt sich nicht bestreiten, mag man auch 
über das rechte Maß verschiedener Ansicht sein. 
77. Gegenstand. Aus den angegebenen Bedingungen 
der Berechtigung des Zitates ergibt sich unmittelbar als 
Regel für den Gegenstand des Zitates, daß wir 1. nicht 
ganz selbstverständliche Dinge durch Belege zu bestätigen 
suchen sollen. Einfach feststehende Tatsachen, sei es aus 
der Geschichte eines Volkes, oder aus der Grammatik oder 
dem Wortschatz einer Sprache, oder aus irgendeinem an- 
deren Gebiet, über die jedes Handbuch und Nachschlage- 
werk der betreffenden Wissenschaft Aufschluß geben kann, 
brauchen nicht durch ein Zitat aus einer Quelle bestätigt 
zu .werden. 
2. Die fremde Autorität, welche zur Bestätigung einer 
Sache angerufen wird, muß für das betreffende Gebiet und 
für die fragliche Sache wirklichen Wert besitzen. Es ist 
deshalb verfehlt, Autoren anzuführen, die selbst wiederum 
nur durch zweite oder dritte Hand aus den Quellen 
geschöpft haben; oder ältere Schriften zu zitieren, die 
längst durch neue und bessere Bearbeitungen desselben 
Gegenstandes überholt sind; oder den Beleg für eine An- 
gabe solchen Schriftstellern zu entnehmen, die sich nur 
ganz gelegentlich mit der Sache beschäftigen. 
Man soll daher nicht zB. zur Erklärung der Maßangaben in einem 
alten Texte sich auf andere Erklärer berufen und deren Ansichten an- 
führen, sondern entweder selbst aus den ersten Quellen schöpfen, oder 
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