Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Gegenstand 263 
doch eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Metrologie wie 
Friedrich Hultsch zitieren. — Noch viel weniger wird es angehen. zur 
Bestätigung einer Meinung in einer wissenschaftlichen Frage sich auf 
ein Konversationslexikon oder auf eine Tageszeitung zu berufen, wenn 
man diese auch für andere Untersuchungen je nach dem Thema mit 
Nutzen als Quelle verwenden mag. 
I. Benzinger zitiert als Literatur zum Arlikel „Edelsteine“ in der 
„Realenzyklopädie für prot. Theologie und Kirche“ 5* (Leipzig 1898) 156 
außer den allgemeinen Hinweisen auf die Kommentare zu den zwei 
hauptsächlichsten Bibelstellen über den Gegenstand sowie auf die Archäo- 
Jogien und biblischen Wörterbücher nur die beiden Werke von Kl. 
Handbuch der Edelsteinkunde (1860) und Hartmann, Die Hebräerin am 
Putztisch (1810). Kluge ist durch die Edelsteinkunde von M. Bauer 
(1896) völlig überholt und eher als Hartmann wären die Spezialunter- 
suchungen über den Gegenstand von J. Braun und J. J. Bellermann 
zu zitieren gewesen. 
3. Der Sinn des zitierten Urteils muß mit der Ansicht 
übereinstimmen, für die es angeführt wird. SS» selbstver- 
ständlich die Forderung ist, so wenig wird sie oft genug 
beachtet. Man verlasse sich daher nie auf die aus dem 
Zusammenhang gerissenen Worte, sondern berücksichtige 
den ganzen Kontext der Stelle, die man zitieren will, und 
suche sich über den Sinn volle Sicherheit zu verschaffen. 
4, Im allgemeinen ist es sehr zu empfehlen, im Zi- 
tieren Maß zu halten und nicht allzu viel mit fremden 
Autoritäten zu operieren. Es ist aber nicht zu billigen, 
daß man ganz oder fast ganz auf das Quellenzitieren 
verzichte. Bequemer mag das allerdings sein, aber 
es entspricht nicht den Interessen der wissenschaftlichen 
Forschung. 
Auf den Vorwurf der „Nachlässigkeit im Zitieren wichtiger Be- 
lege“, den C. Kaufmann gegen E. Horn erhoben hatte, erwiderte dieser 
im „Zentralblatt für Bibliothekswesen“ 11 (1894) 201; „Ich habe nicht 
daran gedacht, den Kritikern ihr Geschäft zu erleichtern, sondern nur 
daran, den interessierten Lesern die Lektüre nicht zu erschweren. Die 
fortwährenden Quellenzitate sind nach meiner Auffassung gelehrter 
Aufputz für den Autor und Stolpersteine für den Leser. Der Kritiker 
weiß, wo Barthel den Most holt, und wenn er’s nicht weiß, soll er 
nicht kritisieren“. Ferd. Eichler bemerkte dazu aber wohl mit Recht: 
„Die Einwendung gegen das Quellenzitieren wird Horn bei ruhiger Er- 
wägzung wohl selbst nicht aufrecht erhalten. Es ist doch ein bedeu-
	        
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