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doch eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Metrologie wie
Friedrich Hultsch zitieren. — Noch viel weniger wird es angehen. zur
Bestätigung einer Meinung in einer wissenschaftlichen Frage sich auf
ein Konversationslexikon oder auf eine Tageszeitung zu berufen, wenn
man diese auch für andere Untersuchungen je nach dem Thema mit
Nutzen als Quelle verwenden mag.
I. Benzinger zitiert als Literatur zum Arlikel „Edelsteine“ in der
„Realenzyklopädie für prot. Theologie und Kirche“ 5* (Leipzig 1898) 156
außer den allgemeinen Hinweisen auf die Kommentare zu den zwei
hauptsächlichsten Bibelstellen über den Gegenstand sowie auf die Archäo-
Jogien und biblischen Wörterbücher nur die beiden Werke von Kl.
Handbuch der Edelsteinkunde (1860) und Hartmann, Die Hebräerin am
Putztisch (1810). Kluge ist durch die Edelsteinkunde von M. Bauer
(1896) völlig überholt und eher als Hartmann wären die Spezialunter-
suchungen über den Gegenstand von J. Braun und J. J. Bellermann
zu zitieren gewesen.
3. Der Sinn des zitierten Urteils muß mit der Ansicht
übereinstimmen, für die es angeführt wird. SS» selbstver-
ständlich die Forderung ist, so wenig wird sie oft genug
beachtet. Man verlasse sich daher nie auf die aus dem
Zusammenhang gerissenen Worte, sondern berücksichtige
den ganzen Kontext der Stelle, die man zitieren will, und
suche sich über den Sinn volle Sicherheit zu verschaffen.
4, Im allgemeinen ist es sehr zu empfehlen, im Zi-
tieren Maß zu halten und nicht allzu viel mit fremden
Autoritäten zu operieren. Es ist aber nicht zu billigen,
daß man ganz oder fast ganz auf das Quellenzitieren
verzichte. Bequemer mag das allerdings sein, aber
es entspricht nicht den Interessen der wissenschaftlichen
Forschung.
Auf den Vorwurf der „Nachlässigkeit im Zitieren wichtiger Be-
lege“, den C. Kaufmann gegen E. Horn erhoben hatte, erwiderte dieser
im „Zentralblatt für Bibliothekswesen“ 11 (1894) 201; „Ich habe nicht
daran gedacht, den Kritikern ihr Geschäft zu erleichtern, sondern nur
daran, den interessierten Lesern die Lektüre nicht zu erschweren. Die
fortwährenden Quellenzitate sind nach meiner Auffassung gelehrter
Aufputz für den Autor und Stolpersteine für den Leser. Der Kritiker
weiß, wo Barthel den Most holt, und wenn er’s nicht weiß, soll er
nicht kritisieren“. Ferd. Eichler bemerkte dazu aber wohl mit Recht:
„Die Einwendung gegen das Quellenzitieren wird Horn bei ruhiger Er-
wägzung wohl selbst nicht aufrecht erhalten. Es ist doch ein bedeu-