2 Allgemeine Bemerkungen
5. Schreibe keine Aumerkung, wenn du etwas in der Hauptdar-
stellung vergessen hast; schreibe überhaupt die Anmerkungen nicht
nachträglich.
6. Schreibe nichts in die Anmerkungen, was dem Text wider-
spricht, und schreibe nichts in die Anmerkungen, was wichtiger ist als
der Text.
7. Betrachte die Anmerkungen nicht als Katakomben, in denen
du deine Voruntersuchungen beisetzest, sondern entschließe dich zur
Feuerbestattung.
8. Mache die Anmerkungen nicht ohne Not zum Kampfpatz;
tust du es aber, so schmeichle dir nicht, daß du das letzte Wort hast.
9. Versuche es die Kunst zu lernen, durch Anmerkungen der
Darstellung Obertöne und Akkorde zu geben, aber spiele kein Instru-
ment, das du nicht verstehst.
10. Stelle die Anmerkungen stets dorthin, wohin sie gehören,
also nicht an den Schluß des Buches, es sei denn, daß du eine Rede
drucken läßt.“
83. Die Anmerkungen in Textausgaben. Eine
besondere Behandlung erfordern die Anmerkungen für die
kritische Ausgabe eines Textes‘).
1. Der richtige Platz für diese Anmerkungen ist
der untere Rand der einzelnen Seiten. Die Gewohnheit der
älteren Herausgeber, dieselben in der Einleitung oder in
einem Anhang unterzubringen, ist mit Recht ziemlich all-
gemein aufgegeben worden.
2. Bei den Anmerkungen sind im allgemeinen zwei
Klassen zu unterscheiden: die erklärenden und die text-
kritischen Anmerkungen. Es ist sehr wünschenswert, daß
diese beiden Klassen getrennt voneinander ihren Platz
unter dem Text erhalten.
3. Die erklärenden Anmerkungen beziehen sich:
a) auf die Quellen (fontes), auf die der Text mit Zitaten,
Anspielungen, Nachahmungen usw. hinweist. Dabei ist die
Kontrolle und Richtigstellung der Zitate des Autors eine
wichtige und oft mühevolle Aufgabe.
1) Vgl. zu den folgenden Bemerkungen besonders K. Krumbacher,
Miszellen zu Romanos 71—8. 122—35, und O0. Stählin, Editionstechnik
419—29, wo die hier nur kurz angedeuteten Punkte ausführlicher
erörtert und mit zahlreichen Beispielen erläutert werden.
"84