2 Allgemeine Bemerkungen
oder von der etwa auf Konjektur beruhenden Lesart des
Textes (0. Stählin). Letzteres hat den Vorzug, daß dann
die Bezeichnung einfacher ist und die Beziehung zwischen Ap-
parat und Text stets auf den ersten Blick klar hervortritt,
auch wenn die Konjektur von der handschriftlichen Lesart
bedeutend abweicht. Ist zB. xoh\oı eine Konjektur Din-
dorfs statt des handschriftlichen öliyoı, so genügt im Ap-
parat nach der letzteren Weise: xo\oi Di öliyoı L,
während es nach der ersteren Weise heißen müßte: xoM\o1]
öMyoı L, corr. Di; oder: zxoMof] öMyoı L zoMot Di.
ß) Sind zu einem Worte mehrere Varianten anzugeben,
so wird man am besten von der im Texte stehenden Les-
art ausgehen und die Varianten nach ihrem Werte bei-
fügen.
e) Die Reihenfolge der Zeugen. Wenn zu einer
Variante mehrere Zeugen gehören, so werden diese am
besten nach ihrer Zusammengehörigkeit, und nicht nach
dem Alphabet der Siglen, geordnet. Innerhalb einer Hand-
schriftengruppe sind die einzelnen Zeugen immer in der
gleichen Reihenfolge zu setzen, damit das Gruppenbild sich
leichter dem Gedächtnis einpräge. Ebenso sollten verschie-
dene Handschriftengruppen stets in der gleichen Ordnung
aufeinander folgen. Im Interesse des Gruppenbildes sind
auch die Übersetzungen zugleich mit den Handschriften,
aber nach diesen, stets in der gleichen Folge anzuführen.
Die Mode, den textkritischen Apparat ohne Spiritus, Akzente,
Satzzeichen zu drucken, „bringt wenig Raumersparnis, erschwert da-
gegen die Benützung“; dasselbe gilt von der Abkürzung der Worte im
Apparat (0 Stählin 426).
Die zweckmäßigsten Abkürzungen für Handschrift, Handschriften,
handschriftlich, Manuskript, Manuskripte sind: Hs, Hss, hs, Ms, Mss
(ohne Punkle).
Bei der schwierigen und entsagungsreichen Aufgabe,
die Anmerkungen für eine gute kritische Textausgabe fer-
tigzustellen, wird wie in manchen anderen Stücken das
Studium geeigneter Vorbilder am sichersten auf den rech-
ten Weg führen.
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