Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Die Honorarfrage 205 
sichten in Erwägung gezogen werden, über die Autor und 
Verleger sich zu ‚einigen haben. 
9. Ein anderer Irrtum wäre es, wenn der Verfasser sein 
Honorar nach dem inneren Wert seiner Schrift bemessen 
wollte. Er kennt denselben natürlich am besten und wird 
ihn auch recht hoch anschlagen. Aber je wissenschaft- 
licher seine Arbeit ist, desto kleiner wird auch nicht selten 
der Kreis sein, auf den der Verleger für die Abnahme des 
Buches rechnen kann. Da zugleich die Herstellungskosten 
bei streng wissenschaftlichen Arbeiten oft erheblich teurer 
zu stehen kommen als bei anderen Büchern, so ist es 
nicht zu verwundern, daß das Honorar nicht selten im um- 
gekehrten Verhältnis zum wissenschaftlichen Wert einer 
Arbeit steht. 
Der „Allgemeine Schriftsteller-Verein“ (Sitz Berlin) bemerkt in 
einem Rundschreiben über wissenschaftliche Honorare (ohne Datum) 
folgendes: „Es ist ja allgemein bekannt, daß die Honorare für wissen- 
schaftliche Arbeiten, sei es im Zeitschriften-, sei es im Buchverlag, 
verglichen ‚mit den Honoraren für nichtwissenschaftliche Arbeiten außer- 
ordentlich gering sind. Wenn nun auch von den Verlegern eingewandt 
wird, daß ihre Erträgnisse aus wissenschaftlichen Zeitschriften ‚und 
Büchern nur klein sind, so mag das teilweise zutreffen, aber sicher 
nicht immer, und gerade der Reichtum der meisten wissenschaftlichen 
Verleger spricht gegen diese Angabe, wie überhaupt der wissenschaft- 
liche Verlag weit risikoloser ist als jeder andere.“ 
In wieweit die lobenswerten Bemühungen des Vereines, in diesen 
Verhältnissen Wandel zu schaffen, von Erfolg begleitet waren, ist mir 
nicht bekannt, 
3. Die Bemessung der Höhe des Honorars kann auf ver- 
schiedene Weise ‚geschehen. Sehr häufig wird ein be- 
stimmter Betrag für jeden einzelnen Bogen vereinbart, zB. 
90 oder 30 Mark oder Kronen pro Bogen; oder es wird ein 
Teilbetrag des festgesetzten Netto- oder des Ladenpreises 
für jedes Exemplar dafür bestimmt, zB. ein Fünftel oder 
ein Sechstel oder ein Siebtel; oder es wird für die ganze 
Auflage zusammen zB. der hundertfache Betrag des Netto- 
oder des Ladenpreises eines Exemplares gezahlt. Die letztere 
Art stimmt schließlich überein mit der anderen Weise, eine 
feste Summe als Honorarbetrag für die Schrift zu bestimmen. 
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