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Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
politische Meinungsäußerung allerdings in hohem Grade tatsäch⸗
lich frei und blieb es im allgemeinen fast bis zum Schlusse
des 18. Jahrhunderts. Welche Freiheiten unter diesen Um—
ständen möglich waren, das zeigt vielleicht nichts besser, als eine
Durchmusterung der Oden Klopstocks. Da findet sich aus dem
Jahre 1748 die Strophe:
Qönigen gab der Olympier Stolz, und fklavischen Pöbel
Um den gefürchteten Thron;
Weisheit gab er den Königen nicht; sonst hielten sie Menschen
Nicht für würgbares Vieh.
Und 1782 ruft der Dichter, in der Ode „Die Rache“,
Friedrich dem Großen zu:
Du erniedertest dich, Ausländertöne
Nachzustammeln, dafür Hohn zu hören:
Selbst nach Arouets Säub'rung
Bleibt dein Lied noch tüdesk.
Es ist klar, daß eine solche tatsächlich unbedingte Freiheit
zum Radikalismus der Aussprache führen mußte, sobald man
überhaupt für politische Dinge Teilnahme zu zeigen begann;
und so hört man denn von demselben Leipzig, das 1783 so
ruhig befunden worden war, im Jahre 1799: „Man erstaunt
üüber die Menge von unruhigen Köpfen, noch mehr aber dar—
über, daß man sie duldet, da sie doch so ungescheut alle Hand⸗
—
Mußte damit die Bedeutung der Publizität im Laufe
der Zeit doch ungemein wachsen — „es wird einem öfters
bange, mit solchen Leuten in Gesellschaft zu sein,“ meint unser
Leipziger Berichterstatter von 1799 —, so war das um so
mehr der Fall, als alle anderen Organe, sich verständlich zu
machen, insbesondere auch parlamentarische Einrichtungen,
fehlten. So wurden denn die Männer der Feder, ja die
Schriftsteller uberhaupt, zu den Fürsprechern des Volkes, ja
zum einzigen Sprachrohr gegenüber den Mächtigen der Erde.
„Ein Schriftsteller,“ ruft Salzmann in diesem Zusammen⸗
hange aus, „welchen unermeßlichen Wirkungskreis hat er!
Er spricht — Nationen hören ihn, — er spricht — und seine