Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

D6 Die seminaristischen Übungen
ist, bekannt zu machen und das Interesse für dieselben
wachzurufen.
2. Dazu ist es aber zunächst erforderlich, dass der
Gegenstand für solche Diskussionen gut gewählt werde.
Er darf nicht zu allgemein genommen werden, weil dann
bei der Erörterung nur geringer Nutzen erzielt wird, und
soll hinwieder auch nicht zu speziell sein, weil in der Regel
für allzu spezielle Punkte weder das Interesse noch die
nötigen Vorkenntnisse in genügendem Maße vorhanden sind.
Es dürfte besonders zu empfehlen sein, eine bedeutendere
wissenschaftliche Frage von größerer Tragweite und wenn
möglich von aktueller Bedeutung zu wählen und sie nach
der einen oder andern Seite oder in ihren verschiedenen
Teilen erörtern zu lassen. Dieselbe muß aber der Bildungsstufe
 und den Kenntnissen’ der‘ Seminarmitglieder angemessen
 sein und in unmittelbarer Beziehung zu ihren Fachstudien
 stehen.
Es ist zwar richtig, daß „für historische und exegelische (Dinge)
mehr das Ganze im Kleinsten steckt“, wie H. Schrörs zu diesem Punkte
bemerkte (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3082). Aber es dürfte zweifelhaft
sein, ob das „Kleinste“ sich zum Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen,
 wie wir sie hier im Auge haben, eignet. Rein methodologisch
wird auch im allergeringsten Teil irgendeiner Frage die wissenschaftliche
 Arbeitsweise trefflich erläutert und geübt werden können. Praktisch
 wird aber eine Diskussion über einen allzu speziellen Punkt im
Seminar aus den angegebenen Gründen kaum möglich sein. Es wird
das gemeinsame Ziel aller Seminarübungen bleiben müssen, dem angehenden
 Jünger der Wissenschaft allmählich das Verständnis für das
Ganze im Kleinsten zu erschließen.
3. Sodann wird die Diskussion nur bei guter Vorbereitung
 den erwünschten Nutzen bringen. Auch wo
sie nicht im Gewand der scholastischen Disputation auftritt,
 wird doch eine gewisse schulmäßige oder wenn man
lieber will parlamentarische Form eingehalten werden
müssen. Es scheint am ratsamsten, den Gegenstand der
Diskussion einige Zeit vorher bekannt zu machen und ein
Referat über denselben vorbereiten zu lassen. Auch die
übrigen Mitglieder des Seminars werden zur Vorbereitung
aufgefordert, um mit Nutzen an der Erörterung sich betei-
            
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