Kapitel III. Die Solidarisier!.
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Auch auf dem Lande wird die Solidarität gepredigt, und obgleich
sie hier an dem ganz besonders individualistischen Charakter des
Buch Cooperation von Gidb: Des transformations que la Cooperation
estappelee nrealiserdansl’ordreeconomique. — Über die Umwandlungen,
die die Kooperation in der wirtschaftlichen Ordnung zu verwirklichen berufen ist).
— Es ist Sache der Verbraucher und nicht der Produzenten, die Gesellschaft zu
reorganisieren, weil die letzteren sich nur von Berufsinteressen leiten lassen können,
während die ersteren notwendigerweise das Allgemeininteresse im Auge haben.
Daher haben die Verbraucher sich nur zusammenzutun, um für alle ihre Bedürfnisse
zu sorgen: — indem sie erstens alles, was sie verbrauchen, direkt von den Produzenten
kaufen, und indem sie es, sobald sie wohlhabend und zahlreich genug geworden
sind, selbst in ihren Fabriken und auf ihren Ländereien herstellen. Hierdurch eignen
sie sich zunächst den Gewinn des Kaufmanns, und dann den des Fabrikanten an,
behalten davon aber nur das, was zur Ausdehnung der Bewegung notwendig ist
und geben den Rest den Verbrauchern pro rata ihrer Einkäufe zurück, was auf
die Abschaffung des Profits hinausläuft. Wir haben gesehen, daß diese Abschaffung
des Profits schon die Gedanken Stuakt Mill’s beschäftigte und sich für ihn mit
einer ganz neuen Entwicklungsphase verband, die er den stationären Zustand
nannte (siehe oben S. 424); wir haben ferner gesehen, daß auch die Hedonisten zu
demselben Ergebnis gelangten, wenn auch auf einem der Kooperation gerade entgegen
gesetzten Wege, nämlich dem der vollkommen freien Konkurrenz.
Es muß darauf hingewiesen werden, daß diese Revolution sich vollziehen
würde, ohne irgendwie an dem zu rühren, was man die Grundlage der sozialen
Ordnung nennt: Eigentum, Erbrecht, Zinsen und ohne andere Enteignung, als die,
die sich aus dem freien Spiel der heutigen wirtschaftlichen Gesetze ergäbe. Die
jenigen, die derart zusammen arbeiten würden, wollen die bestehenden Kapitalien unbe
rührt lassen: sie beabsichtigen, neue zu bilden, die die anderen überflüssig machen
werden. Warum auch nicht? Wenn die bestehenden Kapitalien nur das aufgehäufte
Ergebnis durch die Arbeit verwirklichter Gewinne sind, warum sollte die Arbeit nicht
imstande sein, dasselbe noch einmal zu leisten? Nur mit dem Unterschied, daß sie
diese Kapitalien jetzt für sich behalten würde!
Man hat diesem System vorgeworfen, daß es, auch wenn es durchgeführt wäre,
doch nicht die Abschaffung des Lohnsystems verwirklichen würde, weil alle Arbeiter
dann für diese Genossenschaften arbeiten würden, ebenso wie sie heute im Dienste
von Arbeitgebern stehen. Darauf antworten wir, daß der, der im Dienste einer
Genossenschaft arbeitet, der er selbst als Mitglied angehört, recht nahe daran
ist, sein eigener Herr zu sein.
Übrigens, wer hat denn das Recht, einen derartigen Einwurf zu machen?
Sicherlich nicht die Verteidiger der heutigen wirtschaftlichen Ordnung, die erklären,
daß der Lohnvertrag der endgiltige Typus des freien Kontraktes ist. Ebensowenig
die Kollektivisten, da nach ihrem System alle Menschen Angestellte im Dienste der
Nation sein würden. Daher würden die einzigen, die einen Grund hätten, diese
Kritik zu erheben, die sein, die an die Zukunft und die Entwicklung der kleinen
selbständigen Produktion glauben. Ihnen erwidern wir, daß die einzige Möglichkeit,
die sie haben ihr Ideal verwirklicht zu sehen, das auch das Ideal eines Teiles der
Kooperativsten ist, in der Organisation von Produktivgenossenschaften unter der
Kontrolle und mit der Hilfe von Konsumgenossenschaften besteht. In der Tat ist die
Herrschaft der Konsumgenossenschaft, auch wenn sie unter der föderalistischen Form
verallgemeinert ist, nicht mit dem Bestände einer gewissen selbständigen Produktion
unvereinbar, und zwar auf Grund verschiedener Möglichkeiten, deren Darlegung an
dieser Stelle unnötig ist.