III.
Neue Weltanschauung.
l. Unendlich lang fast erscheint der Weg, den die Kultur⸗
entwicklung der Nationen einschlägt, ehe der Mensch bei sich
elbst einkehrt, über sich selbst nachdenkt, seine geistigen Eigen—
schaften zergliedert. Diesem Augenblicke gehen lange Zeitalter
voraus, in denen das menschliche Selbstbewußtsein sich gleich⸗
sam noch nicht abtrennt von den Werkzeugen seiner Aus—
wirkung, seines Fühlens und Denkens, und darum sich als
Ganzes den übermächtigen Eindrücken der Außenwelt gegenüber—
stellt. Das sind denn die Zeiten der ersten Vorstellungsbildung
über Dinge der Umwelt als eines Ganzen, die Zeiten des
Muythos, der Naturphilosophie.
Wendet sich darnach die Aufmerksamkeit langsam auf das
menschliche Innere, so dauert der Einfluß der Aufstellung und
früheren Lösung der kosmischen Probleme noch lange fort; der
Mensch scheint nicht vereinzelt, sondern als ein von fremden
Naturgewalten objektiv abhängiges Stäubchen nur des Alls.
Es sind die Vorbedingungen für eine astrologische Psychologie,
wie sie die westeuropäischen Völker noch im 16. und 17. Jahr⸗
hundert in alles bezwingender Macht erlebt haben, und wie
sie der große deutsche Dichter noch des 18. Jahrhunderts als
in Wallensteins Leben bestimmend einführte.
Aber neben die astrologische Psychologie hatte sich damals
bereits eine andere, schon im Mittelalter seit lange vorbereitete
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 2. 20