Contents: Das Lebenswerk von Karl Marx

35 
versucht, aus dem Wertgesetz den Mehrwert abzuleiten, so können 
wir ein Lächeln nicht unterdrücken angesichts dieser geheimnisvollen 
Wichtigtuerei. Für uns ist die Mehrwertbildung kein Prozeß, der 
einer so komplizierten Erklärung und einer fast mystischen Ableitung 
aus reinen Gedankengebilden (wie dem sog. „Wertgesetz") bedarf, 
sondern der uns ohne weiteres als ein psychologisch und sozial be 
gründeter Vorgang des täglichen Lebens verständlich erscheint. 
Oder ist etwa die „materialistische Geschichtsauffassung", als 
deren Begründer man Marx ansprechen mag, das „Gesetz", dessen 
Formulierung wir ihm verdanken? Auch das läßt sich nicht sagen. 
Wäre es ein „Gesetz" wie das Fallgesctz, so wäre Marx ganz ge 
wiß nicht sein „Entdecker": denn als solchen betrachten wir den, der 
die letzte einwandfreie Formulierung gegeben hat. Und gerade 
diese läßt bei Marx am meisten zu wünschen übrig. Aber es han 
delt sich wiederum gar nicht um irgend ein Gesetz, sondern abermals 
um ein glückliches heuristisches Prinzip, das sich mit Nutzen bei der 
Anordnung historischen Tatsachenmaterials verwenden läßt. 
Oder soll man an die sog. „Entwicklungsgesetze" denken, die 
Marx für den Ablauf der kapitalistischen Wirtschaft aufgestellt hat? 
Mit diesen hat es auch seine eigene Bewandtnis. 
Zum ersten sind es wiederum ganz und gar keine „Gesetze" 
nach Art des Verbrennungsgesetzes, d. h. allgemein gültige Formu 
lierung für immer gleiches Geschehen, sondern dieses Mal nur Aus 
sagen über den wahrscheinlichen Verlauf eines singulären geschicht 
lichen Ablaufs: der modernen kapitalistischen Wirtschaftsepoche. 
Zum anderen sind sie großen Teils heute als falsch erkannt. 
Von den einzelnen Theorien bleibt nur wenig übrig, wenn wir ihnen 
mit der Sonde der wissenschaftlichen Kritik zu Leibe rücken. Ich 
habe in meiner oben genannten Schrift „Sozialismus und soziale 
3*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.