Nachtrag. Im Kampf gegen die Rückgratsverkrümmungen hat
sich das hier folgende Merkblatt als zweckmäßig erwiesen, das nach
den theoretischen und praktischen in den verschiedenen Kreisen der
Provinz abgehaltenen Kursen zur Verteilung gelangt und in kurzen
Schlagworten auf das Wichtigste in Erkennung und Behandlung der
Skoliose hinweist.
Merkblatt
über die seitliche Wirbeisäulenverkrüm mung
(Skoliose).
. Die Skoliose entsteht durch ein Mißverhältnis zwischen Trag-
fähigkeit der Wirbelsäule und Belastung. So tritt sie im 1. Lebensjahr
als Folge der Rachitis (englischen Krankheit) auf durch zu frühzeitiges
Sitzen auf dem Arm der Mutter. Die schädlichen Einflüsse der Schule
(Schreibatt, langes Sitzen, Mangel an freier Bewegung) begünstigen
ihre Entwicklung in der 2. Hälfte des Jahrzehnts (Ermüdungs- und
Belastungsdeformität). Der kindliche Körper wird zu ihrer Entwick-
lung prädisponiert durch mangelnde, schlechte Ernährung, Unsauber-
keit, Mangel an Licht, Luft, Sonne, kurz, durch unhygienissche äußere
Verhältnisse im weitesten Sinne. Nach dem überstehen anssteckender
Krankheiten (Masern, Scharlach, Keuchhusten usw.) erblicken wir häu-
fig eine rapide Entwicklung der Skoliose. Auch Behinderung der
asenatmung (Rachenmandel) führt häufig zur Skoliose (besonders
„rundem Rücken“).
Hu unterscheiden ist zwischen „schlechter Haltung“ und „Skoliose“.
Bei ersterer ist noch ein Ausgleich der Deformität durch den Willens-
akt (Muskelanspannung) möglich, bei letzterer nicht mehr. Die ,schlechte
Haltung“ ist die Vorstufe der „Skoliose“.
Die Skoliose wird erkannt (Betrachtung von hinten bei entblöß-
tem Oberkörper einschließlich des Beckens) durch Vergleich der Umriß-
linien des Körpers, Schulter- und Nackenlinien, Taillendreiecke (hohe
Hüfte!) und die Niveaudifferenzen beim Vornüberbeugen (hohe
Schulter!). Das Vorhandensein dieser Merkmale ist beweisend für das
Eerhandensein knöcherner Veränderungen der Wirbelsäule, also für
oliose.
Alle am Rücken Gefährdeten (Rückenschwächlinge) gehören in die
Sonderturnturfe, alle Skoliosen in die Beratung und unter Aufsicht
s Facharztes.
d Die Feststellung einer auch erst beginnenden Skoliose bedingt für
en Arzt eine große Verantwortung; in seiner Hand liegt das künftige
Veh und Wehe des Patienten; denn jede der extremsten Buckel-
ildungen hat einmal so angefangen, daß sie kaum dem Auge des
Tacharztes bemerkbar war, und keiner kann sagen, wie sich die
koliose weiter entwickeln wird. Merk drum auf Folgendes:
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