Object: Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

gesprochen worden. Bei Beratung des preußischen Gesetzes 
betreffend die öffentlichen Feuerversicherungsanstalten im Jahre 
1910 bezeichnten sowohl der Bankier Delbrück, wie der 
Finanzminister v. Rheinbaben die Heranziehung kapital 
kräftiger Käuferkreise als Hauptmittel, um den Kursstand der 
Staatsanleihen zu bessern. Zu den Käufern rechneten sie außer 
den Sparkassen die privaten Versicherungsunternehmungen. 
Beide Redner gaben damals der Erwartung Ausdruck, daß diese 
Kreise freiwillig ihren Bestand an Staatspapieren vergrößern 
würden. Für den Fall aber, daß diese Erwartung getäuscht 
werde, wurde ein gesetzlicher Zwang zur Kapitalanlage in 
Staatspapieren befürwortet bezw. in Aussicht gestellt. Del 
brück scheint allerdings später von dieser Auffassung ab 
gekommen zu sein, denn in seiner Herrenhausrede vom 8. April 
1911 bemerkte er: „Für die Versicherungsgesellschaften rede ichl 
einer gesetzlichen Regelung der Frage nicht das Wort, bin 
aber doch dafür, daß man einen mehr oder weniger sanften 
Druck nach der Richtung ausübt, daß die Versicherungsgesell 
schaften mehr als bisher Staatspapiere erwerben“. Der Finanz 
minister v. Rheinbaben gab ferner zu, daß die Vorschrift, 
wonach 25 o/o des Vermögens in Staatspapieren anzulegen sind, 
für die Feuersozietäten von keiner einschneidenden Bedeutung 
sei, weil viele derselben den vorgeschriebenen Prozentsatz in 
diesen Werten bereits besäßen. Der Vorschrift sei aber prin 
zipielle Bedeutung deshalb beizumessen, weil sie die 
Grundlage für ein Vorgehen gegen andere Un 
ternehmungen auf gesetzgeberischem Wege 
schaffen wolle. Dieser Ansicht stimmte das preußische Abgeord 
netenhaus in der weiter oben mitgeteilten Resolution im Juli 1910 
ausdrücklich zu. Endlich äußerte der derzeitige, preußische 
Finanzminister Dr. L e n t z e bei Besprechung des Sparkassen 
gesetzes im preußischen Abgeordnetenhaus, daß die Erhebungen 
betreffend die Erstreckung des Anlagezwanges auf die Ver 
sicherungsgesellschaften noch nicht zum Abschluß gekommen 
seien. Zeitungsmeldungen zufolge soll eine derartige Vorlage 
gegen Ende dieses Jahres zu erwarten sein. Auch in der ein 
schlägigen Literatur wird der Vorschlag, die Kapitalanlage-
	        
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