Full text : Die deutsche Wirtschaft

O0) Otto Keinath:
betreibt Wanderhandel, zieht von Stadt zu Stadt, von Markt zu
Markt, um seine Güter auszutauschen oder in gutes
Geld zu verwandeln, Da es bekanntlich im Mittelalter noch
keine Münzeinheit des Reiches gab — jede Stadt und auch jeder Fürst
prägten oft eigenes Geld aus — so war der Geldverkehr mit besonderen
Schwierigkeiten verknüpft und erforderte ein hohes Maß von feinem
Verständnis für Wert und Feinheit des für die Ware eingetauschten
Geldes,
Noch im Orient erblicken wir im Karawanenhandel eine
ähnliche Form des Handels, wie er zu Zeiten des Mittelalters in europäischen
 Ländern üblich war. Einen großen Fortschritt bedeutete
die Entdeckung der Seewege nach Amerika und dem fernen
Osten, einmal weil hierdurch neue Bezugsquellen entdeckt
wurden und die Reisedauer erheblich ermäßigt und gesicherter
 wurde und zum anderen deshalb, weil das Schiff in der
Lage war, viel größere Mengen von Gütern aufzunehmen als
Wagen oder Packtiere. Die hervorragende Bedeutung der
Schiffahrt für den Handel als Verkehrsmittel zeigte die blühende
Entwicklung der deutschen Hansastädte und auch
Hollands,
In einer späteren Zeit erst entsteht die Bildung eines regelmäßigen
 Marktverkehrs und die Einrichtung von Jahrmärkten,
 die an den verschiedenen Orten und an bestimmten Tagen
im Jahr wiederkehren. Die auf den Jahrmärkten von weither gereisten
Kaufleuten zur Schau gestellte Ware bot der Bevölkerung eine Gelegenheit,
 sich vorübergehend von der Preisstellung der heimischen Zünfte
zu emanzipieren, Aus der Abhaltung der Jahrmärkte entwickelte sich
dann allmählich die Idee der Messen, die sich von jenen durch
die Größe der Umsätze — von Produzenten an Großabnehmer — unterscheidet,

Im Mittelalter war die Unterscheidung zwischen
Groß-undKleinhandel noch nicht so scharf wie jetzt, da z. B.
auch der Tuchkaufmann, welcher sein Tuch an die Bürger der Stadt
verkaufte, seine Tuche oft selbst mit eigenen Wagen von weither aus
Flandern, aus Brügge, Gent und Antwerpen, zu holen pflegte, Die
älteste Form seßhaften Kleinhandels war der „Kramladen‘“ oder die
„gemischte Warenhandlung‘, in denen sich die verschiedenartigsten
Handelsartikel zusammenfanden; jedoch setzte sich schon während der
Zunftperiode eine gewisse Spezialisierung durch. Neben den alten
Kramladen trat bald ein Handel mit frischen Lebensmitteln und damit
vier regelmäßig wiederkehrende Typen: das Manufakturwarengeschäft,
das Glas-, Porzellan- und Steingutwarengeschäft, die Stahl-, Messing-
            
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