Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels, 103
spielt. Die Ausschaltung des selbständigen, mit eigenem Kapital
arbeitenden Berufshandels im Rohstoffgeschäft wird noch besonders
stark gefördert durch die Vereinfachung und Vereinheitlichung der
Verkehrsbedingungen zwischen den Staaten, gelingt es doch in neuerer
Zeit mit Hilfe der „Durchfrachttarife‘”‘ auf Grund eines einzigen
„Durchfrachtkonnossementes‘, z, B. die Baumwolle vom Ursprungs-
lande über den Seeumschlagsplatz und dann per Eisenbahn nach
München-Gladbach, Lodz oder Chemnitz in die Fabriken zu bringen.
Hierdurch war wieder dem Handel ein wichtiges Stück
Arbeit entzogen, nämlich die Wahl des besten und
billigsten Transportweges und die Organisation der
Warenbewegung.
Drei Ausschaltungstendenzen setzten hier gegen den
„Propre-Handel‘ in Massenwaren ein: der Produzent (durch Da-
zwischenschaltung des Cif-Agenten), der Verbraucher (infolge direkter
Abnahme vom Ausland mit Hilfe des bequemen Durchfrachtbriefes)
und schließlich das Verkehrswesen, welches mit zunehmender Entwick-
lung der Schiffahrtsunternehmungen, Speditionsfirmen und der Eisen-
bahn die Güterbewegung dem Handel aus der Hand nimmt,
Die Gefahr einer solchen Ausschaltung wird jedoch geringer,
wo die Ware noch der Sortierung, Reinigung oder Bearbeitung bedarf,
Hier hält sich der Berufshandel am Sortierungsplatze, d. h. in der Regel
am Hafen. Die sicherste Stütze für den Handel der Seestädte
bzw. für den Importhandel überhaupt sind Waren wie Tabak,
Kaffee, Gewürze, Reis, Tee, Kakao, Wolle u. dgl. Die
eigentliche Domäne des Außenhandels liegt auf dem Gebiete der
verfeinerten Sortierung überseeischer Rohstoffe.
Auch vermögen die vorhandenen Auwusschaltungstendenzen da
wenig Einfluß auf den Handel auszuüben, wo es sich um den Groß-
handel in frischen Lebensmitteln und Genußmitteln,
Gewürzen, Fleisch, Vieh usw. handelt, da mit diesen Waren der letzte
Konsum bzw. der Kleinhändler oft unter Zuhilfenahme der Großmarkt-
hallen zu beliefern ist, und da auf diesem Gebiete keine mäch-
tigen Einzelverbraucher in Erscheinung treten, die in der
Lage sind, dem Handel das Geschäft aus der Hand zu nehmen. Der
relativ schnelle Umschlag, welchen der Welthandel in Gefrierfleisch,
Südfrüchten, Eiern, Butter und Fischen — neuerdings auch Blumen —
notwendig macht, um diese Ware nicht dem Verderb auszusetzen, ver-
langt eine enge Zusammenarbeit zwischen Speditionsfirmen und Han-
delsbetrieben, deren Oberaufsicht zumeist in den Händen des daran
beteiligten Handels liegt. Eine gefährliche Rolle in den Aus-
schaltungsbestrebungen des Handels spielen die Rohstoffe