Full text: Die deutsche Wirtschaft

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels. 105 
Parfüms sowie Seidenerzeugnisse, Brüsseler Spitzen, englische Zink- 
bleche, Gablonzer Artikel, Erzeugnisse der Wiener-Vorstadt-Industrie, 
böhmische Glaswaren u. ä. m. 
IV. Exporthandel, 
Die Untersuchung über die Organisation des Außenhandels ergibt, 
daß die Exporthäuser nur zu einem gewissen Prozentsatz (60 %) 
reinen Export betreiben, während etwa 40 % sich neben der Ausfuhr 
noch mit der Einfuhr nach Deutschland befassen. Dieses Bild ergibt 
sich jedenfalls aus den aus Hamburg vorliegenden Statistiken, 
Von den in Deutschland zur Zeit vorhandenen, etwa 200- bis 300000 
Großhandlungen beschäftigt sich nur ein relativ geringer Prozentsatz 
ausschließlich mit dem Außenhandel, viele Firmen betreiben jedoch 
Export und Import neben einem ausgedehnten Inlandsgeschäft — teils 
wegen Vervollständigung und besserer „Assortierung‘ ihrer Lagerbe- 
stände, teils wegen Ausdehnung der Absatzgebiete auf das Ausland, 
welches vielfach gern vom deutschen Kaufmann kauft wegen der 
Reichhaltigkeit seiner „Kollektionen", inländischen und ausländischen 
Ursprungs, 
Je nach der Struktur und dem Standort der Exportgeschäfte kann man 
zwei Arten unterscheiden, die einen, welche ihren Sitz dicht bei 
der Industrie haben (z. B, sächs, Textilexport, Kleineisen- und 
Stahlwaren in Remscheid, Solingen und Iserlohn, Spielwaren in Nürn- 
berg, Korbwaren in Koburg, Bijouteriewaren und Edelschmuckwaren 
in Pforzheim) und dieanderen, welche ihr Exportgeschäft von 
dem Hafenplatze aus betreiben. Die ersteren — die Branchen- 
Exporteure — pflegen, wie wir schon oben gesehen haben, das Ge- 
schäft nach vielen Ländern mit wenigen, in sich allerdings reichhaltigen 
Artikeln, zählt man doch z. B. gerade in der Kleineisen- und Spiel- 
warenbranche Tausende von verschiedenen Artikeln, Je größer die 
Kapitalkraft der Industrien ist, deren Export diese Handelshäuser be- 
treiben, desto größer wird auch hier die Gefahr der Ausschaltung des 
betreffenden Exporthandelszweiges durch Gründung eigener Export- 
abteilungen der immer größer werdenden Industrien. 
Wie wir bereits an anderer Stelle anführten, ist die Geschäftsge- 
barung des speziellen Exporteurs, des eigentlichen En gr os- 
Sortimenters, eine ganz andere, da er grundsätzlich keine Ware 
von seinem Geschäftsbetrieb ausschließt und sich nicht der Ware, 
sondern dem Abnehmerkreis anpaßt, Den Typ dieses speziellen 
Exporthandels finden wir sehr häufig in Hamburg; er exportiert 
sämtliche erdenklichen Waren von der Stecknadelbis zur 
Lokomotive.
	        
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