Das Handwerk im Rahmen der Volkswirtschaft, % 109
standen, z. B. das Elektromonteurhandwerk, die Gas- und Wasser-
installation, die graphischen Gewerbe aller Art, die Stickerei usw. Man
kann daher sagen, daß die Handwerksarten seit dem Mittelalter sich
nicht verringert, sondern eher vermehrt haben. Die Notwendigkeit,
ein Handwerk 3—4 Jahre zu lernen, ist heute mindestens ebenso
zwingend als im Mittelalter,
Die Zahl der Handwerksbetriebein Deutschland
ist zwar wegen der erwähnten mangelnden Begriffsbestimmung bisher
statistisch nicht einwandfrei festgestellt, man kann sie aber auf 1% bis
11% Million schätzen,
Nach den zuverlässigen Beobachtungen einiger Handwerks-
kammern nahm die Zahl der Handwerksbetriebe vor dem Kriege
langsam zu. Dies war eine gesunde Erscheinung, soweit es sich um
die Entwicklung neuer Handwerke in Stadt und Land (z. B. Fahrrad-
mechaniker, Elektromonteure) handelte oder um die Ausbreitung ur-
sprünglich städtischer Handwerke auf Landbezirke (Bau-, Bekleidungs-
und Lebensmittelhandwerke aller Art), Die Entwicklung war volks-
wirtschaftlich teils gesund, konnte aber auch Bedenken erregen, wenn
gewisse Handwerke, wie z. B. Schuhmacherei und Tischlerei, allzu
schnell und zahlreich in Landbezirken mit stabiler Bevölkerung ent-
standen, Der erreichbare Kundenkreis wird dann zu klein, um selbst
Kleinbetriebe ausreichend zu ernähren,
Solche „Übersetzung‘ kann nur dann eintreten, wenn zum Selb-
ständigwerden in einem Handwerk geringes Betriebskapital gehört. Sie
ist fast ganz unmöglich in Handwerken wie der Bäckerei und
Fleischerei, die räumlich und finanziell nicht nur gute Grundstücke,
sondern auch solides Betriebskapital verlangen.
Als vorübergehende Erscheinung sei erwähnt, daß während der
Inflationsperiode der deutschen Währung im Winter 1923/24 15—20 %
der Handwerksbetriebe eingestellt wurden. Nach Stabilisierung der
Mark hob sich die Zahl der Betriebe wieder langsam, hat aber
zweifellos die Friedenshöhe — namentlich im Baugewerbe — noch
nicht erreicht,
Auch der Beschäftigungsgrad der einzelnen Betriebe
bleibt hinter den Friedensverhältnissen noch zurück. Dies wird deutlich
dadurch bewiesen, daß die Zahl der Handwerksgesellen etwa 75%
der Friedenszahl beträgt, Dagegen scheint die Zahl der Lehrlinge die
Friedenshöhe wieder erreicht zu haben. Es zeigt sich bei allen Lehr-
stellenachweisen, daß der Zudrang zum Handwerk und besonders zu
einzelnen Handwerken, wie z. B, Schlosserei und Elektromontage,
sehr groß ist, Wichtig ist ferner noch die Beobachtung, daß die Stärke