Full text: Die deutsche Wirtschaft

vu Vorwort. 
sehr bald unter dem Eindruck eines großen, von innen heraus arbeiten- 
den Gebildes stehen, 
Wirtschaft darf heute nicht nur Erwerbsquelle, sie muß gleich- 
zeitig Lebensanschauung sein, Anpassung an die Gegenwart muß sich 
mit dem Bewußtsein verbinden, daß auch die Vergangenheit unsere 
Lehrmeisterin bleibt. So allein wird die Stetigkeit des Fortschritts 
gewährleistet, Das alles darf aber nicht Zwang, sondern es muß 
Selbstregulierung sein, Je mehr die deutsche Wirtschaft sich darüber 
klar ist, daß dieses große Naturgesetz auch ihre eigene Lebens- 
bedingung ist, um so mehr wird sie auch über ihr unmittelbares Arbeits- 
gebiet hinaus die Führung in die Hand bekommen, Damit wird sie 
dann einerseits schrankenlose Willkür, andererseits aber jede Ab- 
schnürung der individuellen Bewegungsireiheit ablehnen, mag sie in 
gesetzlichen Zwangsmaßnahmen oder in bürokratischer Bevormundung 
zum Ausdruck kommen, 
Es gibt nichts, was das Wesen eines gesellschaftlichen Organismus 
plastischer und vollkommener verkörpert, als die Wirtschaft, deren 
Bestand heute noch mehr von der wechselseitigen Zusammenarbeit als 
von den Leistungen der einzelnen Betriebe abhängt, und die daher fast 
automatisch immer neuen und einheitlicheren Organisationen zustrebt., 
So werden die Wirtschaftsvertreter zwar zu den politischen Fragen 
naturgemäß verschieden eingestellt sein, aber sie können unmöglich 
auseinanderreißen, was innerlich zusammenhängt, und sie können auf 
keinem Gebiete gesetzliche Maßnahmen befürworten, ohne gleichzeitig 
deren Rückwirkung auf andere Teile des großen Organismus in Betracht 
zu ziehen. Wenn dann auch die Klassengegensätze mehr vom Stand- 
punkte der Wirtschaft als vom Standpunkte der Politik angesehen 
werden, dann werden auch die Wege nach einer natürlichen Volks- 
gemeinschaft freigelegt sein, die jedem einzelnen die Möglichkeit selb- 
ständiger Betätigung läßt. Mag die Entwicklung sich in dieser oder 
jener Richtung vollziehen: Die Einsicht, daß die wirtschaftlichen 
Lebensbedingungen gleichzeitig die Lebensbedingungen jedes Berufes 
sind, wird die Beteiligten zur Vernunft bringen, so daß sie nicht mehr 
die Vernichtung des Gegners, sondern die Gemeinschaftsarbeit mit ihm 
zum Wohle des Ganzen als den erstrebenswerten Zustand anerkennen, 
Wie alles, was sich längere Zeit aus sich selbst ergänzt, die Lebens- 
kraft einbüßt, so hatte auch in dem altpreußischen Beamtentum die 
Form stark den Inhalt zurückgedrängt, Mancher altpreußische Beamte 
hatte sich nur dadurch in seiner Stellung behaupten können, daß die 
Vorschriftsmäßigkeit an die Stelle der praktischen Brauchbarkeit 
getreten war. Auch die Wirtschaftsvertreter haben nicht immer Rang 
und Titulaturen gegenüber ihre Unabhängigkeit zu wahren gewußt;
	        
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