Die wirtschaftliche Führerpersönlichkeit, 165
festzustellen, ob irgend jemand ihnen zu dem gesetzten Ziele, zunächst
Luft für sich zu schaffen, Ellbogenfreiheit zum Aufstieg zu gewinnen,
verhelfen kann oder ob er im Wege ist, so ist sie doch eine unbedingte
Voraussetzung für spätere Großtaten der Organisation, der Verwendung
wirtschaftlicher Beziehungen und Möglichkeiten.
Aber Wille und Menschenkenntnis würden nicht hinreichend sein,
um ungewöhnliche Erfolge zu erzielen oder technisch große Probleme
zu lösen, es gehört dazu in enger Verwandtschaft zur Willenskraft die
Fähigkeit, schnelle, die Dinge beim Schopfe fassende Entschlüsse zu
fassen, rasch und sicher zu denken und dementsprechend vorausschauend
zu handeln. Es ähneln diese Eigenschaften stark denen,
welche man bei bedeutenden Feldherren voraussetzt. Ein zu lange
erwogener Plan taugt oft wenig, zumal bei gefährlicher oder sich täglich
verändernder Lage; da kann es nur darauf ankommen, intuitiv den
Stand der Dinge zu erfassen und gleich zur Tat zu schreiten und trotzdem
stets die eigenen Kräfte richtig einzuschätzen.
Wie der Heerführer, so muß auch der erfolgreiche Wirtschaftsführer
zweifellos in gewissem Sinne „Glück haben”, Es gibt tüchtige
Menschen, denen günstige Gelegenheiten zur Bewährung verhältnismäßig
selten vorkommen, andere, die aus einer einmal gebotenen Sache
zwanzig neue Gedanken und Möglichkeiten zu entwickeln wissen. Aber
man soll dieses sogenannte Glück auch im Wirtschaftsleben nicht überschätzen:
spekulative Naturen, d, h. Errechner oder Erhoffer müheloser
Zufallsgewinne, werden selten große Organisatoren, selten Wirtschaftsführer
erster Ordnung, weil ihr Denken zu sehr von dem Auf und Nieder,
mit dem ihr Schiff flott wird oder auch bisweilen untergeht, in Anspruch
genommen wird, Gedanken und Werke von Ausmaß und Dauer
weist im allgemeinen nur der zähe und begabte Schaffer auf.
Und diese hat Deutschland in seiner heutigen Lage bitter nötig:
die Frage des Wiederaufbaues der Nation, der Herausarbeitung aus
Versklavung und Verarmung ist ebensosehr eine solche der richtig
geleiteten Wirtschaft wie der planvoll, in vaterländischem, deutschem
Geiste der neuen Zeit Rechnung tragenden Fortentwicklung der eigenen
Kultur, wie einer mit staatsmännischer Klugheit und Vorsicht geführten
Politik,
Dem deutschen Wirtschaftsführer jeder Art — wir wollen hier einmal
den Kreis recht weit ziehen — erwachsen in den nächsten Jahrzehnten
schwerwiegende, schwer zu lösende Aufgaben; jeder von ihnen
wird sich sagen müssen, daß die Nation von ihm das Äußerste an Tatkraft,
an Intelligenz, an volkswirtschaftlicher Einsicht verlangt, wenn
anders er im Interesse des Gesamtwohls als die höhere Pflicht die an-