Die wirtschaftliche Führerpersönlichkeit, 169
Der Staat hat sich zu seiner Erleichterung bei der Auswahl die
Examina geschaffen, die aber auch schließlich nur zum Ergebnis haben
können, festzustellen, ob jemand eine gewisse Summe vorausgesetzter
Kenntnisse sich erworben hat, um ihn zu einem bestimmten Amt, mit
einiger Aussicht auf erfolgreiche Führung desselben, zu befähigen. Sie
werden schlecht zu entbehren sein, weil der Zustrom Unfähiger an die
Staatskrippe irgendwie abgedrosselt werden muß, aber eine sichere
Auswahl der rechten Menschen für den rechten Platz verbürgen sie
nicht, Protektion, politische Schiebung, „Pöstchen‘“ hat fast jeder
Staat in reichlichem Maße zu verzeichnen, und seine Sonne bescheint
oft auch die zu leicht Befundenen unter den Geprüften.
Dem Wirtschaftsführer stehen diese Auslesemittel meistens nicht
zur Verfügung, er ist auch im allgemeinen kein Freund prüfungsmäßiger
Befähigungsnachweise, weil er sich naturgemäß mehr auf die tatsächliche
Leistung verläßt, Er hat keine großen Titel und dergleichen zu
vergeben, sondern er muß die produktive Tat in allen Stufen nach
ihrem Seltenheitswert so gerecht als möglich abschätzen und die entsprechende
Gegenleistung dafür geben. Das hat in allen Kulturstaaten
zur Folge, daß die volkswirtschaftlich tüchtige oder gar hervorragende
Kraft in materieller Beziehung größere Aussichten hat als der durch
Ruhegehalt gesicherte, gleichmäßiger und ruhiger seine Aufgaben erfüllende
Staatsbeamte, Indem sich ferner die Bezahlung nach der Leistung
richtet, findet ständig eine natürliche Auslese statt, welche die
Unfähigen weit zuverlässiger ausscheidet und selbständige, organisatorisch
oder sonst praktisch begabte Menschen sicherer an die Spitze
bringt als eine mehr oder minder schematische Prüfung.
Werden ähnliche Grundsätze als einigermaßen für die Praxis des
Wirtschaftslebens zutreffend und auch als richtig anerkannt, so fragt
es sich, ob der deutsche Wirtschaftsführer nicht noch manches von den
ausländischen, besonders amerikanischen, Methoden absehen könnte,
insbesondere hinsichtlich der Einstellung der Leiter zu den am Werke
Mitschaffenden, Zweifellos sind wir in Vorkriegsdeutschland in sozialer
Beziehung, an Fürsorge für Kranke, Schwache, Alte am weitesten vorgeschritten
gewesen, und doch mußte der ohne Scheuklappen das Ausland
besuchende Unternehmer oft interessante Beobachtungen machen,
aus denen zu lernen wir nicht vergessen sollten. Der moderne
amerikanische Führer verstand es schon vor dem Kriege, und er hat
hierin infolge der Entwicklung der letzten zehn Jahre allem Anschein
nach noch erhebliche Fortschritte gemacht, das Interesse nicht nur
seiner ersten, sondern seiner Mitarbeiter überhaupt in hervorragendem
Maße zu wecken und dauernd lebendig zu halten. Er wendet hierzu
nicht nur die Beteiligung mit Gewinnanteilen, Produktionsprämien,