172 Richard Müller:
geeignetsten Stelle, um volle Arbeitsgelegenheit für unser Volk und da-
mit wieder eine ruhige wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten.
Man darf sich also keiner Täuschung darüber hingeben, daß die Gewin-
nung von Köpfen der Wirtschaft für die politische Arbeit womöglich
noch größeren Schwierigkeiten begegnen wird, als es ohnehin schon bis-
her der Fall war — und doch bleibt die Mitwirkung solcher Männer
eine unbedingte Voraussetzung für den Wiederaufstieg, weil sich in den
letzten fünf Jahren erwiesen hat, daß der Einfluß der Wirtschaftskreise
eben zu gering war, Zwar hat man es von bestimmter Seite immer gern
so dargestellt, als machten einige große Herren die maßgebenden Ge-
setze, aber das ist eine Verdrehung der Tatsachen, und man kann
getrost behaupten, daß wir gewiß nicht so heruntergekommen wären,
wenn man beizeiten in der Steuer- und Finanzpolitik mehr auf die
wirklichen Kenner und Könner gehört hätte, statt unsinnige Dinge zu
tun, um der Menge zu gefallen, die nun so bitter mit all den vielen
leiden muß, die ihre Arbeit von Jahrzehnten und oft die von Genera-
tionen in Rauch aufgehen sahen.
Die Mitarbeit im Parlament von England kann uns als ein gutes
Beispiel dafür dienen, wie lebenswichtig für eine Nation von Bedeutung
richtige wirtschaftliche Maßnahmen und Gesetze sind, und für wie uner-
läßlich man dort gerade das Urteil der Praktiker des gewerblichen
Lebens in diesen Dingen hält.
Die großartige Wohlhabenheit des englischen Volkes ermöglicht
zweifellos vielen Unternehmern erheblich leichter, längere Zeit der täg-
lichen Arbeit fernzubleiben und sich den öffentlichen Interessen zu
widmen, als es bei uns, zumal in der jetzigen Lage, der Fall sein kann,
aber Opfer werden auch in dieser Beziehung von manchem Führer und
seinem Betriebe verlangt werden, und sie werden zugunsten des
Gesamtwohls gebracht werden müssen, wenn diese auch für die Allge-
meinheit schwerwiegenden Fragen nicht nur von Theoretikern gelöst
werden sollen, so überaus nötig und schätzenswert deren Hilfe auch
ist, Setzen wir einmal voraus, alle diese den neuzeitigen deutschen
Wirtschaftsführer bedrängenden und erfüllenden, ihn vorwärtstreiben-
den Aufgaben würden von denen ruhig durchdacht und zur Durch-,
führung gebracht, die noch die Schule des Friedens durchgemacht
haben, so ständen wir bald vor dem Zeitpunkt, wo eine jüngere Gene-
ration in die leitenden Stellen aufrückt, und auf diesem Nachwuchs be-
ruht auch in industrieller Beziehung das Wohl und Wehe des zukünf-
tigen, hoffentlich wieder größeren Deutschland, Die Ausbildung dieser
Jungen hat stark unter der Absperrung vom Auslande während der
Kriegsjahre gelitten, ferner durch das jahrelange Herausreißen aus der
Arbeit und die Verwilderung alles kaufmännischen Denkens während