Die menschlichen Kräfte in der Wirtschaft. 175
betrachten, Wirtschaft trägt das Streben nach höchster Gütererzeugung
in sich, nach einer Gütererzeugung, welche an Güte und Zahl den
Ansprüchen der Gesamtheit gerecht wird. In dieser Gütererzeugung,
in welcher die Menschen den ausschlaggebenden Teil ausmachen, kommt
es an auf deren Kraft und Arbeitsfähigkeit, auf deren Harmonie und auf
die klare Arbeitsgestaltung, d. h, auf die gute Organisation, welche die
Arbeitsform beeinflußt. Alle drei Faktoren beruhen auf menschlichen
Eigenschaften, werden von Menschen gegeben, müssen berücksichtigt
werden, wenn wir wirklich höher bauen wollen.
Die Kräftigung des Menschen, die Ertüchtigung menschlicher
Eigenschaften, das Emporführen zu höheren Zielen steht an erster
Stelle, Hier aber nun muß betont werden, daß es nicht allein ankommt
auf die Arbeitsfähigkeit, die wir so oft in den Vordergrund geschoben
sehen, In einem Zeitalter, in dem technische Vollendung ausschlag-
gebend war, erschien es fast als selbstverständlich, daß Menschen-
ertüchtigung gleichbedeutend sein müßte mit Ertüchtigung zu be-
sonderen beruflichen Tätigkeiten. Aber nicht allein darauf kommt es
an, nicht allein darauf, daß jemand feilen, hämmern, richten, drehen,
hobeln kann, sondern darauf, daß er die innere Geradheit und Ziel-
strebigkeit besitzt, die wir als Charakter bezeichnen. Wenn ich hier
nun von Charakter spreche, so möchte ich darunter nicht das ver-
standen wissen, was man als starres Festhalten an überkommenen
Zielen bezeichnet. Wahrer Charakter ist innere Reinheit, ist Streben
nach innerer Vollendung, ganz unbeeinflußt durch das Werturteil
anderer Menschen, Das Spiegelbild aber des wahren Charakters, der
Seele, drückt sich in der ganzen inneren Harmonie aus. Darauf kommt
es an, daß jemand in sich harmonisch und — glücklich ist. Und diese
Harmonie soll nicht nur in der Arbeit vorhanden sein, sondern soll all-
gemein das Wesen des Menschen kennzeichnen. Das bedingt, daß auch
in der Familie diese Harmonie notwendig ist und daß, wenn jemand von
Menschenertüchtigung spricht, diese zuerst in einer harmonischen
Familie einsetzen muß.
Wie wir wissen, daß in den technischen Abläufen Reibungslosigkeit
die größte Produktivität gewährleistet, so wissen wir, daß allein har-
monische Gestaltung alles Denkens und Schaffens die höchste Stufe
der Vollendung erreichen läßt. Und dieses Harmoniegesetz durchzieht
alles, was wir wahrnehmen und erfassen können. In jeder, aber auch
jeder Beziehung besteht für uns die Aufgabe, das eine Ziel, die Reinheit,
die Vollendung und Harmonie frei zu machen und aus diesem Streben
heraus unsere ganze Arbeit, unser ganzes Schaffen zu gestalten. Und
wenn dieses Streben Grundlage ist für unsere äußere Arbeit, so muß
für uns selbst die Bedingung sein, in unserem eigenen Ich zur Reinheit