Full text: Die deutsche Wirtschaft

Die menschlichen Kräfte in der Wirtschaft, 179 
Streben zur Reinheit und Kraft ist das einzige Ziel unseres Menschen- 
lebens, Unsere äußere Tätigkeit soll so gestaltet sein, daß wir in ihrer 
Bewältigung auch wirklich wachsen, Das Kind, das mit irgendeinem 
Spielzeug einen Gegenstand herstellt, wächst in der Vollendung des 
hergestellten Gebildes und wird das nächstemal schon ein vollkomme- 
neres Werk zustande bringen, Genau so ist es beim erwachsenen 
Menschen, Der Mensch muß Schwierigkeiten finden, damit er sich 
höherarbeitet, Er muß an den Hindernissen wachsen, um selbst stärker 
zu werden, Aber hier gilt ein großes Gesetz, daß zu große Schwierig- 
keiten den Menschen zum Verzagen, zu kleine Schwierigkeiten den 
Menschen zur Oberflächlichkeit veranlassen. Und hier ist auch der 
Fingerzeig gegeben, warum eine monotone Arbeit so oft als entseelt 
bezeichnet wird. Der Mensch wächst nicht mehr in ihr, der Mensch 
bewältigt die Arbeit, ohne irgendeine Schwierigkeit überwinden zu 
müssen, es fehlt die Beziehung zwischen Arbeit und innerem Wachstum. 
Arbeitsteilung und Automatisierung des Arbeitsvorgangs ist möglich 
und gut, wenn die Gelegenheit und die Notwendigkeit dem Menschen 
gegeben ist, die Arbeitsstellen mit eintöniger Beschäftigung zu 
wechseln, sich dadurch stets wieder in neue Arbeitsbedingungen ein- 
arbeiten zu müssen, 
Bei der Beurteilung monotoner Tätigkeit ist ausschlaggebend, daß 
nicht die Form der Arbeit die größte Bedeutung besitzt, sondern der 
Geist, aus dem sie geboren und in dem sie verrichtet wird. Es ist nicht 
gleichgültig, ob ein Arbeitgeber lediglich um Gelderwerb die Arbeit 
monoton gestaltet oder in tiefer Erkenntnis, der Allgemeinheit in Not- 
zeiten durch Schaffung lebenswichtiger Werte schnell helfen zu müssen, 
zur Unterteilung der Arbeiten schreitet, nicht gleichgültig andererseits, 
ob ein Arbeitnehmer sich als willenloses Arbeitsmittel fühlt oder das 
Bewußtsein in sich birgt, Träger und Helfer der Gemeinschaft zu sein. 
Nicht gleichgültig ist, mit welchen Augen die Arbeiten selbst betrachtet 
werden, ob stumpfes Betrachten die Tätigkeit mechanisch, tot oder 
klares Schauen sie voll lebendiger Kräfte erscheinen läßt. Denn nicht 
immer ist eine für den flüchtigen Beschauer eintönige Tätigkeit es wirk- 
lich, nicht immer mechanisch und entseelt, was dem Fremden, der nicht 
das Leben in der betrachteten Arbeit kennt, so erscheinen mag. Nicht 
der äußere geringe Umfang der Arbeitstätigkeit bedingt die Eintönig- 
keit, denn sehr, sehr oft hat diese Beschränkung eine Vertiefung der 
Arbeitsausführung, eine Steigerung der Güte und gewissenhaften 
Arbeitserledigung zur Folge, die keinesfalls als schädlich anzusprechen 
sind, 
Weil in dem Empfinden eintöniger Tätigkeit durch den Arbeiter die 
seelischen Einflüsse die größte Rolle spielen, ist es schwer möglich, eine 
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