180 Prof, Dr.-Ing. A, Friedrich:
Grenze zu ziehen zwischen lebendiger und entseelter Tätigkeit, solange
wir nur die Form der Arbeit im Auge haben.
Tätigkeit, ohne Liebe gegeben, Tätigkeit, ohne Hingabe vollendet,
wird stets den Fluch der Eintönigkeit tragen. Gemeinschaftsarbeit —
und jede Werkstätigkeit ist es — soll ein höherer Geist tragen als
materielle Wirtschaftlichkeit, Nicht die materiellen Gewinne, nicht Er-
zeugung und Anhäufung von Gütern bauen Menschheit, Volk und
Familie auf, sondern die seelischen Kräfte sind es, die allein höher-
führen, Nur von diesem Gesichtspunkte aus kann die Frage der
Arbeitsgestaltung geklärt werden. Ist in dem Arbeitgeber das Bewußt-
sein wach, Helfer und Führer zu sein, dann wird auch die Arbeits-
teilung in der Gemeinschaftsarbeit seines Werkes Zweck und lebendigen
Sinn besitzen, dann wird er vermögen, seinen Untergebenen die Arbeit
durch Vertiefung und öfteren Wechsel lebendig zu machen, Wie in
allen Dingen unseres Werklebens, brauchen wir auch hier ein viel
stärkeres, positives und hingebendes Einsetzen des Führers,
Wenn von Arbeitsteilung die Rede ist, muß besonders beachtet
werden, daß hierbei nicht eine Entseelung des Arbeitsvorganges der
Zweck ist, sondern daß die Notwendigkeit besteht, in den zum Teil sehr
komplizierten Arbeitsabläufen eine sachliche Gerechtigkeit walten zu
lassen. Es ist nicht gleichgültig, ob eine Fehlarbeit auf einem Versehen
des Arbeiters, des Vorarbeiters oder Meisters, auf der Minderwertigkeit
des Rohmaterials oder auf falschen Arbeitsmethoden beruht, es ist not-
wendig, um Unproduktivität zu vermeiden, die Gründe festzustellen, um
einen möglichst reibungslosen Ablauf zu erreichen, Alles aber, was
Reibungslosigkeit bezweckt, ordnet sich dem Gesetz der Harmonie ein,
das dem ganzen menschlichen Schaffen Grundlage sein sollte. Infolge-
dessen müssen wir, wenn wir nur diejenigen Bestrebungen Taylors und
anderer Organisatoren, die Harmonie und Reibungslosigkeit bezwecken,
herausgreifen, unbedingt zugeben, daß auch hier Wege gegeben sind, um
zu einer besseren Klarheit und zielsicheren Betriebsführung zu gelangen.
Wovor wir uns hüten müssen, ist eine Entseelung des Arbeitsvorganges
dadurch, daß wir es bei der Analyse bewenden lassen, ohne die Ergeb-
nisse nun wieder mit menschlicher Initiative und menschlichem Helfen-
wollen anzuwenden,
Von innen heraus muß die Kraft entwickelt
werden, nicht von außen. Werksarbeit zu gestalten und durch
sogenanntes Pflichtgefühl und Strenge die Menschen zu einem Zu-
sammenschluß bringen zu wollen, ist ebenso töricht, als wenn der
Gärtner lediglich den Wachstumsbedingungen der schon blühenden
Pflanzen Rechnung tragen würde und das Säen und Keimen nicht
beachtete. Unsere äußere Arbeit aber ist unbedingte Notwendigkeit,