182 Prof, Dr.-Ing. A, Friedrich:
in die verschiedensten Untertätigkeiten unterteilen und die hierzu not-
wendigen Fähigkeiten aufweisen. Diese Fähigkeiten werden in der
ersten Prüfung (Einstellungsprüfung oder Fähigkeitsfeststellung) er-
mittelt und in der Fähigkeitsschulung, der die Fertigkeitsschulung folgt,
ergänzt, Von Fähigkeitsschulung, die seit den letzten Jahren in dem
Verkehrswesen und in der Industrie eingeführt wird, muß überall dort
gesprochen werden, wo nicht die ganze Fertigkeit sofort übermittelt
wird, sondern zunächst die grundlegenden Fähigkeiten, wie Farb-
schätzen für das zu beobachtende glühende Material, Schlagwahl bei
dem Schmied, Höhenschätzung bei dem Kranführer und dergleichen, ein-
geschult werden. Die Fähigkeitsschulung, welche an anderer Stelle
schon ausführlich behandelt wurde, hat das Ergebnis, daß einerseits die
Berufstätigkeit viel stärker und organischer den Menschen übermittelt
wird und eine bessere, leichtere und schnellere Arbeitsleistung die
Folge ist (Zufriedenheit und Leistung), daß andererseits die Anlernzeit
auf die Hälfte bis ein Drittel der bisherigen verringert wird und alles
in allem eine weitaus stärkere Erschließung menschlicher Kraft erfolgt.
Im allgemeinen muß gesagt werden, daß auf Grund der Erfahrungen
die Übungsfähigkeit und Ausbildungsmöglichkeit viel, viel größer ist,
als im allgemeinen angenommen wird,
Die Erziehung zu den Berufen bedingt das Berücksichtigen des
Führens und Leitens, Was eingangs über Harmonie gesagt wurde,
was über das Bewußtsein innerer Stärke erwähnt wurde, verdient
höchste Anwendung auf das Führertum, Niemals darf ein wahrer
Führer von materiellen Gesichtspunkten ausgehen, weil ihm dadurch
die Entwicklung seelischer Kräfte unmöglich gemacht wird,
Viel höhere Anforderungen als bisher müssen wir heute an die
Person des Führers stellen. Wir dürfen nicht erwarten, daß von der
Menge die großen Gedanken der helfenden Tat in unser Arbeitsleben
hineingetragen werden können, Wenn wir Hingabe des einzelnen
Menschen im Arbeitsleben und im Schaffen hervorrufen wollen, dann
ist erstes Erfordernis die Hingabe der Führer zu dem höchsten Ziel,
das ein Mensch überhaupt haben kann, zur Vollkommenheit. Hier aber
ist Grundbedingung, daß der Führer sich selbst über sein Ziel klar ist,
daß er selbst Reinheit und Klarheit in sich trägt. Nicht auf berufliches
Können allein kommt es bei den Führern an, sondern insbesondere auf
eine strahlende und hinreißende Persönlichkeit, die die Kräfte und
Herzen aller Mitarbeiter im Bann hält. Erst dann, wenn unsere
Erziehung eine Führererziehung ist, erst dann, wenn wir in jedem Vor-
arbeiter, in jedem, der andere unter sich hat, den Führergedanken ent-
wickeln und insbesondere auch in dem, der einzeln steht, das Führen