Full text: Die deutsche Wirtschaft

Die menschlichen Kräfte in der Wirtschaft, 183 
seines eigenen Ichs wachrufen, erst dann können wir von einem selb- 
ständigen Volk sprechen, Das wahre Führen liegt abseits des 
Materiellen, das wahre Führen ist rein geistig und gibt sich immer 
wieder von neuem in ständigem Helfen, Wie in früheren Zeiten sollte 
es Aufgabe der Führer sein, sich vor allen Dingen mit dem Wesen der 
höchsten Kraft zu beschäftigen und tiefer und reiner zu sehen als die- 
jenigen, die sich ihnen anvertraut haben. Äußere Machtfaktoren sind 
lediglich Hilfsmittel, sind lediglich Sinnbilder, ohne Einfluß auf die einer 
Persönlichkeit wirklich innewohnende Kraft, 
Bei dem Arbeiten selbst kommt es insbesondere darauf an, das 
Selbstbewußtsein in der Behandlung der Materie zu stählen, dem 
Menschen dauernd den Begriff zu stärken, daß er über dem Stofflichen 
steht. Hier spielt insbesondere auch die Arbeitsgestaltung eine große 
Rolle, Während auf der einen Seite in handwerklicher Betätigung des 
Menschen Wesen ganz in die Arbeit überfließt, ist oft in den Halb- 
automaten die Gegensätzlichkeit zwischen Mensch und Maschine vor- 
handen, Es ist ein Unding, in maschinellen Getrieben einen Menschen 
als Zwischenglied einzuschalten, denn Rhythmus und Takt läßt sich 
niemals zusammensperren, Entweder es werden hier Zwischen- 
vorrichtungen geschaffen, Schubvorrichtungen und dergleichen, welche 
dem Menschen freies rhythmisches Schaffen möglich machen, oder die 
Maschine wird ganzautomatisch gestaltet, um so den Menschen wieder 
als Beherrscher in Tätigkeit treten zu lassen. Wir dürfen nicht ver- 
kennen, daß die Mehrzahl unserer Maschinen nur halbfertig sind und 
daß in der Anpassung der Werkzeuge und Maschinen an lebendiges 
menschliches Wesen eigentlich erst die hohe Konstrukteurtätigkeit 
einsetzt, 
Wenn in dem Vorhergehenden besonders die Gütererzeugung in 
den Vordergrund gerückt war, erscheint es notwendig, auch kurz den 
Handel zu erwähnen, Auch hier gilt es, in allem, aber auch in allem 
Schaffen die ethische Richtlinie einzuhalten und den Handel als Ver- 
mittler der Werte zu betrachten, welche der Mensch notwendig hat, 
Nicht ist die Aufgabe des Handels, einzelne Wirtschaftsgebilde künstlich 
zu erhalten und durch Suggestion und Reklame den Menschen Waren 
aufzuschwatzen, welche sie in Wirklichkeit nicht brauchen, sondern 
auf möglichst große Güte und Echtheit hinzuzielen und ein Gleich- 
gewicht nicht durch Rotation, sondern durch Anpassung an die wahren 
Lebensbedingungen zu erreichen. Natürlichkeit und Reinheit tut dem 
Handel vielleicht noch mehr als der Gütererzeugung not. Auch hier 
gilt, daß die Seele, der Geist ausschlaggebend für das Handeln und für 
den ganzen Erfolg ist, daß der Wert des Schaffens nur getragen wird von 
dem Eingehen auf das Lebendige.
	        
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