Full text: Die deutsche Wirtschaft

188 Prof. Dr. O. Goebel: 
größerung der Unternehmungen und bei der auch vor dem Kriege vor- 
handenen, wenn auch langsam voranschreitenden Geldentwertung, die 
sich bei sonst gleichen Voraussetzungen als allgemeine Tendenz der 
Preissteigerung äußerte, war die Rückzahlungslast in der Regel geringer 
als der Nutzen der Kreditentnahme, Gerade das Umgekehrte findet 
heute bei sinkenden Umsätzen und nach dem Aufhören der Geldent- 
wertung statt, Sich möglichst ohne Kredit einrichten, muß das Ziel der 
Wirtschaftsführung der einzelnen Betriebe sein. 
Wer nicht alle diese Zusammenhänge in ihren gegenwärtigen wie 
in ihren möglichen zukünftigen Einflüssen richtig abschätzt, setzt sich 
in den heutigen schwierigen Zeiten der größten Gefahr aus, mag er noch 
so gut die Methoden der inneren Betriebsführung beherrschen, Die 
Volkswirtschaft als die der Privatwirtschaft übergeordnete Wirtschafts- 
einheit muß danach streben, die Versorgung aller Volksgenossen mit 
einer möglichst großen Menge notwendiger und wünschenswerter Güter 
ohne zu starke subjektive Belastung des einzelnen mit Arbeit zu er- 
reichen. Dem darf sich die Privatwirtschaft mit ihrem an sich berech- 
tigten und notwendigen Verdienstprinzip nicht widersetzen. Die Leitung 
der Volkswirtschaft hat das Recht und die Pflicht, insbesondere in 
schweren Zeiten wie den unsrigen, unnötige wirtschaftliche Leistungen 
mittelbar und unmittelbar zu bekämpfen. Derartige unnötige wirtschaft- 
liche Leistungen sind: jede vermeidbare Leerlaufarbeit der Wirtschaft 
(z. B. eine zu große Zahl von händlerischen Zwischeninstanzen), un- 
nötige Transportleistungen, Herstellung von Kitsch, zu große Aus- 
dehnung der Luxus- und Genußmittelindustrie, zu häufiger Wechsel der 
Moden und dergleichen. Mit der staatlichen Notwendigkeit, durch 
Kredit und Handelspolitik nach dieser Richtung zu wirken, haben die 
Einzelwirtschaften zu rechnen und dürfen sich über die daraus ent- 
stehenden Folgerungen für ihre Betriebe nicht täuschen, sondern müssen 
unter Umständen ihr Fabrikationsprogramm danach revidieren. Alles 
dagegen, was mit der Beschaffung notwendiger Güter in Landwirtschaft 
und Gewerbe zusammenhängt, wird die Förderung des Staates im stei- 
genden Maße finden müssen, Diese Gesichtspunkte würden noch viel 
schärfer in Erscheinung treten, wenn wir in einem gegen außen abge- 
schlossenen Staat lebten; das ist aber nicht der Fall. Große Mengen 
von notwendigen Gütern erwerben wir durch Austausch auf dem 
Weltmarkt. Bei diesem Austausch aber entscheidet zunächst nicht der 
Gebrauchswert, sondern der Verkaufswert der Ausfuhrgüter auf dem 
Weltmarkt. Man darf aber auch dabei die Qualität der Güter nicht 
außer acht lassen, denn letzten Endes erhält man sich die dauernde 
Verkaufsmöglichkeit auch hier nur durch den Gebrauchswert der 
Güter.
	        
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