Wirtschaftliche Betriebsmethoden, 189
Allen diesen Entwicklungsrichtungen muß das Fabrikations-
programm angepaßt werden, vor allem auch der zunehmenden Er-
schwerung des Auslandabsatzes durch die Weiterentwicklung eigener
Industrien in den bisherigen Absatzländern und durch die für uns viel-
fach ungünstig gewordene Kalkulationsbasis. Sorgfältige Auswahl der
Fabrikation für das Ausland nach Art, Güte und Preisbildung, Aus-
bau derjenigen Fabrikationen für den inneren Markt, die lebenswichtige,
produktionsfördernde Beziehungen haben, möglichste Freimachung von
ausländischen Rohstoffen und möglichste Beschränkung auf die eigene
finanzielle Kraft sind einige der führenden Gesichtspunkte für die Auf-
stellung des Fabrikationsprogramms der einzelnen Unternehmungen.
Wichtig ist in dieser Richtung auch die Stellung der Unter-
nehmungen zum Zusammenschlußgedanken, Man sucht den steigenden
Rentabilitätsschwierigkeiten auf drei Wegen zu begegnen: entweder
man stellt sich ganz auf eigene Füße, erzwingt durch entsprechende
Preisnachlässe die Vollbeschäftigung seines Unternehmens und ver-
wendet die ganze Kraft darauf, die innere Geschäfts- und Betriebs-
führung so zu gestalten, daß man trotz der Preisunterbietung mit einem
Nutzen herauskommt. Daß zur Wahl dieses Weges eine von vornherein
starke Stellung gehört, ist klar. Auch ist es nicht, insbesondere nicht
bei der zurückgehenden Kaufkraft Deutschlands, auf jedem Gebiet mög-
lich, den zur entscheidenden Verbilligung der Fertigung notwendigen
Massenabsatz überhaupt zu erzielen, Es ist immer daran zu denken, daß
im Unterschied gegen früher die mengenmäßige Ausdehnung mancher
Fabrikationen heute enge Grenzen hat. Die zweite Möglichkeit ist, den
Weg des horizontalen Zusammenschlusses zu gehen. Man saugt die
Wettbewerber gleicher Stufe auf oder schließt sich mit ihnen in
Kartellen zusammen, um dem Markt so hohe Preise aufzwingen zu
können, daß man unabhängig von den Absatzmengen mit Gewinn
herauskommt. Diese Politik ist die in den letzten Jahrzehnten üblich
gewesene; ihr im ganzen vorhandener Erfolg war bedingt durch die
aufsteigende Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft. Dieser Weg
erscheint aber heute weitgehend gefährdet, da es nicht mehr überall
möglich ist, dem Kartellgrundgedanken entsprechend alle Werke am
Leben zu erhalten, Der deshalb in neuester Zeit stark nach vorn
strebende dritte Weg ist der der Auslese durch Konzern- und Trust-
bildung. Man vereinigt den ganzen Fabrikations-, womöglich auch
Transport- und Absatzgang vom Rohstoff bis zur Lieferung des ver-
feinerten Enderzeugnisses an den letzten Kunden in einem einzigen
großen Unternehmen, dessen einzelnen Gliedern — den früher selb-
ständigen Werken — man ihre genaue Stellung im gesamten Fabrika-
tionsprogramm anweist, wodurch man die Kräfte ihrer Leiter von den