Full text : Die deutsche Wirtschaft

192 Prof. Dr. O. Goebel:
Viele typisierte Erzeugnisse lassen sich aber auch ohne eigene Verkaufsorganisation
 durch Lieferung an Ausfuhr- und Einfuhrhäuser des
eigenen und fremder Länder oder durch Lieferung auf bloße Drucksachenreklame
 hin vertreiben. Die individuelle Leistung verknüpft zwar
fest mit einer bestimmten Abnehmerschaft, zwingt aber auch dazu, hohe
Kosten für Aufrechterhaltung dieser Verbindung aufzuwenden. Auch
hier muß unter Umständen ein großes Werk die ganze Welt mit einem
Netz eigener Entwurf- und Verkaufbüros überspannen, um diese
Fühlung dauernd zu erhalten, aber ohne daß sich jedes dieser Büros
durch seine Abschlüsse regelmäßig zu erhalten imstande wäre. Es ist
kein Geheimnis, daß die Lieferung der großen individuell gestalteten
Anlagen (z. B. ganzer elektrischer Zentralen und Werkseinrichtungen)
vor dem Weltkrieg oft unter den eigentlichen Selbstkosten, als Propaganda
 oder zur Vollbeschäftigung der Werke, erfolgte und daß es das
„Kleinzeug‘, die mehr oder weniger typisierte Massenfabrikation war,
an der die betreffenden Werke verdienten, Zum Teil ging der mangelnde
 Verdienst bei den individuellen Leistungen auf gegenseitige
Unterbietung deutscher Unternehmungen zurück, selbst wenn ernsthaft
gar kein ausländischer Wettbewerb in Frage kam. Das ist ein organisatorischer
 Fehler. Die Verbandspolitik der deutschen Industrie in Beziehung
 auf die Preisbildung hat sich bisher leider viel mehr auf dem
inneren Markt, wo der Preisdruck durch Wettbewerb erwünscht wäre,
ausgewirkt als auf den ausländischen Märkten. Der Zusammenschluß
zum Auslandsgeschäft findet zumeist nur psychologische und keine tatsächlichen
 Hemmungen. Eine vertiefte Durchdenkung der ungeheuren
Belastung durch die geschilderten Unterbietungen und durch die Propagandakosten
 im Auslandsgeschäft fehlt überhaupt noch weitgehend.
Es ist nicht zu verkennen, daß ein guter Teil der Propaganda sowohl im
Inland wie im Ausland mehr als Repräsentation aufgefaßt und wenig
nach seiner Wirksamkeit kontrolliert wurde. Es muß heute gefordert
werden, daß sich jeder Unternehmer über jeden Schritt auf diesem Gebiet
 nach Kosten und Wirkung klar zu werden versucht. Wie für das
Erkennen von Konjunkturen, so kann auch auf diesem Gebiet die wichtige,
 aber noch wenig systematisch genutzte Handelsberichterstattung
über das Ausland herangezogen werden. Bekanntlich arbeiten auf
diesem Gebiet Konsuln, amtliche Handelssachverständige, gemeinnützige
 und wissenschaftliche Institute, Handelskammern, zwischenstaatliche
 Verbände, Fachverbände und Auskunfteien zusammen, Es
darf aber nie vergessen werden, daß diese allgemeine Handelsberichterstattung
 nur eine Ergänzung der Informationen der eigenen Firma sein
darf. Die typischen Fehler, denen man heute begegnet, sind: entweder
man verläßt sich in dieser Richtung ausschließlich auf die allgemeine
            
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