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Die angewandten Naturwissenschaften im Dienste
der Wirtschaft.
Von Dr.-Ing. Dr. rer. pol. Waffenschmidt, Privatdozent, Heidelberg.
Es liegt an sich nicht im Wesen der Wissenschaft, dem täglichen
Leben oder auch der Wirtschaft dienstbar zu sein. Ganz besonders
ist die Vorstellung, die sich der Deutsche von der Wissenschaft macht,
so sehr an das Absolute, über dem Alltag Stehende geknüpft, daß er
in einer „angewandten“ Wissenschaft schon das eigenste
Wesen der Wissenschaft aufgegeben sieht, nämlich lediglich der Er -
kenntnis zu dienen und keine anderen Zwecke zu verfolgen,
Das ist gut, und es hat sich gerade auch auf dem Gebiet der
Wirtschaft als erstrebenswert erwiesen, so scharf als möglich zu
trennen zwischen dem Wissenschaftlichen, rein Erkenntnismäßigen,
Allgemeingültigen und dem auf das Handeln Bezüglichen, dem Poli-
tischen, das nur Meinung des einzelnen ist, von Vorurteilen nicht
unabhängig, von Interessen und Willenskräften getrieben.
Daß allerdings in diesem Interessenkampf vom Politiker hinüber-
gegriffen wird in das andere Land, das Land der Wissenschaft, daß er
dort Werkzeuge sucht, Geisteswerkzeuge, die seinem Wirkungsbereich
dienlich sind, verwehrt ihm niemand, am wenigsten versagt die Wissen-
schaft diese Dienstbarkeit des redlichen Denkens, denn sie ist hier
neutral,
Die genauere Untersuchung zeigt nun, daß die Wissenschaft dem
praktischen Leben nicht als einheitliches Gebilde gegenübersteht. Ohne
daß wir uns in die Philosophie verlieren dürfen, können wir auf den
Unterschied aufmerksam machen, den die neuere Forschung zwischen
Naturwissenschaft und Kulturwissenschaft ausge-
prägt hat. Die Gesetzmäßigkeiten, denen ein fallender Stein, das
sprießende Korn, die Sehvorgänge im Auge unterliegen, sind offen-
kundig ganz anderer Art als die Frage nach Gut und Böse, nach Recht
und Pflicht, nach logischer Richtigkeit, aber auch verschieden von
wirtschaftlichen Problemen, der Begründung von Schutzzoll und Frei-
handel, von Kapitalismus und Sozialismus.
Insofern gehört die wissenschaftliche Behandlung des Wirt-
schaftsgeschehens sozusagen zu den „angewandten Kulturwissen-