250 Dr.-Ing. Dr. rer. pol. Waffenschmidt:
der chemischen Technologie, bei der Erzeugung von Verkehrsleistungen
überwiegen die technischen Fragen, und erst bei der Verteilung der
erzeugten Güter beginnt wieder die Vorherrschaft der Wirtschaft,
nachdem sie allerdings auch am Anfang die entscheidende Weisung
gegeben hat, welcher Produktion sich die Technik zuwenden soll.
Bevor wir näher auf die technisch-wirtschaftlichen Beziehungen
eingehen, wollen wir das vorwiegend technische Vorgehen im großen
betrachten, und zwar am besten an einem Beispiel, an dem
eines Brückenbaues., Auf Grund des Verkehrsbedürfnisses
stellt die Wirtschaft der Technik die Aufgabe. Zunächst ist es nun
Sache der räumlichen Vorstellung und des Anschauungsvermögens,
mit der der Techniker die Aufgabe im Geiste gelöst vor
sich sieht, eben die Überbrückung des Tales. Nicht aber nur eine
Möglichkeit ist auszudenken, sondern die Technik verfügt hier grundsätzlich
über eine fast unabsehbare Anzahl von prinzipiellen Lösungsmöglichkeiten.
Die Brücke kann aus Holz, Stein, Eisen, Beton, Eisenbeton
usw. hergestellt werden, Sie kann sich innerhalb der gleichen
Materialgrenzen nach ihrer Form unterscheiden: Bogenbrücke, Balkenbrücke,
Hängebrücke, solche mit, solche ohne Pfeiler, Kombinationen
von Balken- und Bogenbrücken oder Balken- und Hängebrücke, Darunter
sind noch weitere Untervariationen möglich, ob die Brücke
massiv oder in ein luftiges Gitterstabwerk aufgelöst ist. Es ist bezeichnend
für den fortgeschrittenen Zustand im Brückenbau, daß grundsätzliche
systematische Neuheiten selten sind, daß es sich vielmehr beim
Entwurf um die Anwendung bekannter Prinzipien auf den Einzelfall
handelt, Es werden kaum noch neue Brückensysteme „erfunden“,
sondern die Brücken werden „konstruiert‘,
Ist nun ein solches Brückenproblem heute zu lösen, so verlangt
die Wirtschaft von der Technik, daß sie ihr alle diese technısch
möglichen Lösungen vorlegt, damit sie aus ihrer Zahl die ihr
günstigsten auswählen kann. Hierbei müssen allerdings zunächst die
rein technischen Erfordernisse erfüllt sein, das heißt die Naturgesetze
müssen so berücksichtigt sein, daß der Bestand, hier z. B. des Bauwerks,
gesichert ist. Daß in dieser rein technischen Lösung
Schwierigkeiten genug liegen, braucht nicht weiter betont zu werden,
ist es doch eine allgemein verbreitete Vorstellung, daß sich die Natur
nicht leichthin den menschlichen Zwecken gefügig zeigt und daß sich
jeder Irrtum und jede Unachtsamkeit bitter rächt; andererseits ist aber
auch bei Beachtung der naturwissenschaftlichen Gesetze ein Verlaß
auf die Durchführung des Planes vorhanden, wie er bei rein wirtschaftlichen
Unternehmungen nie gegeben ist, da deren Gesetzmäßigkeiten
anderer, nicht so strenger Natur sind, Die rein kausalen Be-