Full text: Die deutsche Wirtschaft

258 Dr.-Ing. Dr. rer. pol. Waffenschmidt: 
daß die Aussicht auf Verbesserung desto größer ist, je geringer 
der bisher erreichte Wirkungsgrad ist. 
Dieselben Verhältnisse liegen bei der Krafterzeugung vor. Würden 
wir feststellen, daß durch irgendeine Kraftmaschine mit 1 Kalorie 
eine Arbeit von 427 mkg erreicht wird, so wäre es zwecklos, sich um 
einen Fortschritt, um eine Verbesserung dieser Maschine zu bemühen. 
Der tatsächliche Wirkungsgrad wäre mit 100 % gleich dem theoretisch 
Erreichbaren, Leider sind wir in der Praxis hiervon weit entfernt. 
10—15 % ist der übliche Wirkungsgrad der Dampfmaschinen. Aber 
auch hier genügt es nicht, zu wissen, daß Verluste auftreten, die Natur- 
wissenschaft drängt den Techniker vielmehr zur Untersuchung, wohin 
die Kalorien verlorengehen; er mißt die Verluste in der Wärme- 
strahlung des Kessels, in den Abgasen im Kamin, im Abdampf, in den 
Reibungsverlusten der bewegten Maschine. Der wissenschaftlichen 
Erkenntnis der Fehler folgt aber unmittelbar aus wirtschaftlichem 
Drang der Wunsch zu ihrer Verbesserung. 
Der bekannte Erfinder des Dieselmotors erzählt, daß er schon als 
Student durch die gelehrte schlechte Wärmeausnutzung in der Dampf- 
maschine auf sein neues Prinzip gekommen ist, das allerdings mit Erfolg 
den Wirkungsgrad auf 35 % in die Höhe trieb. 
Man kann uns vielleicht den Vorwurf machen, daß wir hier nicht 
den Dienst der Technik, sondern umgekehrt den der Wirtschaft schil- 
derten, Tatsächlich ist in dem eben genannten Bereich der eigent- 
lichen „technischen Ökonomik“ die Anwendung wirtschaftlicher Prin- 
zipien auf technischem Gebiet beherrschend. Doch knüpfen wir nun 
wieder strenger an die Beschreibung der Dienste an, die die Technik 
leistet. 
Wesentlich schwieriger als die Aufweisung typischer Leistungen 
der angewandten Naturwissenschaften ist die Darstellung der tech- 
nischen Aufgaben im System unserer heutigen kapitalen 
Wirtschaftsverfassung. Sechs Faktoren sind besonders. zu 
beachten. Die Produktionsmenge und der Preis, die Menge der in- 
vestierten Arbeit und der Lohn, die Menge des investierten Kapitals 
und die Verzinsung, Mit dem Lohn wird von der Wirtschaft die Menge 
der investierten Arbeit reguliert (große Arbeitermenge oder quali- 
fizierte Arbeit, hoher Lohn); mit dem Zins reguliert sie die Kapital- 
menge (hoher Zins lockt Kapital an); mit dem Preis reguliert sie die 
Absatzmenge und damit die Produktionsmenge (niedriger Preis, großer 
Absatz). Innerhalb dieser sechs Faktoren erhält nun die Technik von 
der Wirtschaft die Aufgabe, festzustellen, wieviel Kapital und wieviel 
Arbeit zu den in Betracht zu ziehenden Produktionsmengen erforder- 
lich sind. Die Produktion, sagen wir von 100, 200, 300 Paar Stiefeln pro
	        
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