Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

V. Die Motive der Hunftbildung im deutschen Mittelalter. 259 
z. B. in der interessanten, aber freilich gar nicht haltbaren Lohn- 
werkstheorie K. Büchers!). Grundssätlich und im ganzen ge- 
nommen gilt jedoch die hofrechtliche Theorie durch meinen Nach- 
weis von 1887 als widerlegt. 
Man könnte allenfalls zwischen dem Urjprung des sstäd- 
tischen Handwerks und dem des Handwerks überhaupt unter- 
scheiden und für jenes die Entstehung aus der Unfreiheit stärker 
noch als für dieses ablehnen. Es liegt indessen kein begründeter 
Anlaß vor, auch nur für das vorstädtische Handwerk den hof- 
rechtlichen Urssprung anzunehmen. 
Die Elemente, die eine Anknüpfung für ein sich allmählich 
bildendes stärkeres freies Handwerk gewährten, sind folgende. 
Schon vor der Berührung mit den Römern gab es bei den Ger- 
manen einige wenige Gewerbe, die leidlich berufsmäßig aus- 
geübt wurden, so das des Schmiedes. Hierzu traten die römischen 
Anregungen. Wenn die alten Römerstädte im germanischen 
Gebiet der Hauptsache nach verfallen waren, wenn ihre römische 
Verfassung verschwand, so blieb doch an ihrer Stelle ein gewis- 
ses gewerbliches Leben erhalten, das sich im Lauf der Zeit 
steigern konnte. Und neben dem, was die Plätze der ehemaligen 
Römerstädte boten, machten sich sonstige Anregungen von 
auswärts, von Ostrom, von Italien, von Gallien her dauernd 
geltend. Weiter ist als Wurzel eines selbständigen deutschen 
Gewerbes die landwirtschaftliche Nebenbeschäftiqung anzusehen. 
Gilt dies schon für jene alten Gewerbe wie das des Schmiedes, 
so kommen in gleicher Beziehung im Lauf der Zeit noch mehr 
in Betracht. Der Bauer hesaß die Möglichkeit, über seinen Haus- 
bedarf hinaus und, wenn er unfreien Standes war, auch über 
die Höhe seiner Abgabepflicht an die Herrschaft hinaus noch 
gewerbliche Produkte, etwa Textilstoffe oder hölzerne Geräte, 
für den Verkauf zu produzieren und an Konsumenten oder 
Händler abzusetzen. Auch der unfreie Bauer handelt hier als 
S. 202 ff.; Ztschr. f. Sozialwissenschaft 1904, S. 794; H. Z. 91, S. 447 
Anm. 1; 109, S. 25 Anm. 2; Fehr, Ztschr. der Savigny-Ztschr. Germ. 
Abt., . Jahrg. 1916, S. 646 ff. 
1) S. oben S. 200. 
17?
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.