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preisverteuernd die Umsatzsteuer wirkt, insbesondere bei den Produk-
ten, die bis zur Fertigstellung zahlreiche Produktionsphasen durch-
machen müssen, Es sind da Beispiele angeführt worden, aus denen her-
vorgeht, daß eine 2prozentige Umsatzsteuer das Endprodukt, welches
an den Verbraucher geht, um 15 und noch mehr Prozent belastet.
Dagegen lassen sich ganz allgemeine Berechnungen darüber auf-
stellen, wie die derzeitige Steuerbelastung sich auf das gesamte Volks-
einkommen auswirkt. Dieses wurde vor dem Kriege auf 43 Milliarden
beziffert, Bei 4,4 Milliarden Gesamtsteueraufkommen betrug also die
steuerliche Belastung des Volkseinkommens rund 10 %. Die heute
aufgestellten Berechnungen unseres Volkseinkommens schwanken
zwischen 24 und 36 Milliarden, Wenn die neueste amtliche Zahl von
35 Milliarden für das heutige Jahres-Volkseinkommen als richtig ange-
nommen wird, so bedeuten die 12 im Jahre 1924 aufgebrachten Steuer-
milliarden über ein Drittel unseres Volkseinkommens. Ein so großer
Prozentsatz wurde also aufgebracht und auch ausgegeben für die
Finanzierung öffentlicher Einrichtungen. Dazu kommen dann noch als
weitere öffentliche Lasten 2 Milliarden für soziale Zwecke, soweit
diese nicht durch Steuern aufgebracht werden. Von den 35 Milliarden
des deutschen Volkseinkommens entfallen nach der amtlichen
Schätzung 29 Milliarden auf Arbeitseinkommen (Löhne und Gehälter),
die restlichen 6 Milliarden auf übriges Einkommen (Kapital und Ge-
werbe). Dieses außerordentlich merkwürdige Verhältnis zeigt, wie
außerordentlich schwierig die wirtschaftliche Lage heute ist und unter
welch schwierigen Verhältnissen und wie verlustbringend vielfach die
deutschen Unternehmungen arbeiten. Diese Ziffern erklären sich
ferner daraus, daß das Kapitalvermögen im Inland durch die Inflation
fast restlos aufgezehrt ist und Einkommen aus Kapitalzins, das früher
bei uns eine sehr große Rolle spielte, heute so gut wie gar nicht mehr
vorhanden ist. Man beziffert die Verminderung des mobilen Kapitals
auf 100 Milliarden, Da nun der Lohnabzug bei der großen Mehrzahl
der Lohnempfänger im Durchschnitt 6 %. beträgt, dagegen bei einer
Reihe von Gehaltsempfängern mehr oder weniger über 10 % hinaus-
geht, ist anzunehmen; daß diese 29 Milliarden im Durchschnitt nicht
höher als mit 10—12 % belastet werden. Daraus ergibt sich, daß
mindestens zwei Drittel des Steueraufkommens direkt auf der Pro-
duktion und dem Handel liegen,
Diese Milliarden werden, soweit das nach wirtschaftlichen Ge-
setzen möglich ist, auf die Warenpreise gelegt und verteuern die
Lebenshaltung für diejenigen, die diese Waren kaufen oder die Pro-
dukte für die Warenerzeugung anschaffen müssen. Der Verbraucher
könnte von seinem Einkommen mehr kaufen, wenn die Preise um die