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Haushalte. Dieser Druck auf den privaten Verbrauch wird bei gleich-
bleibender Steuerlast immer größer, je weniger die Betriebe die
Steuern abwälzen können, je mehr wir zu Einschränkungen gezwungen
werden und damit an Steuerfähigkeit einbüßen. Die Möglichkeit,
höhere Löhne zu bezahlen, wird immer geringer, je stärker absolut und
im Verhältnis zur Steuerfähigkeit der Wirtschaft der Steuerdruck auf
ihr lastet. Auch unser Export muß naturnotwendig sich immer schwie-
riger gestalten. Letzten Endes werden dann Betriebe, die an sich noch
mit Gewinnen arbeiten, durch die ständige Erhöhung der deutschen
Lebenshaltungskosten, durch die Vermehrung ihrer eigenen Produk-
tionskosten immer weniger steuerkräftig, so daß dadurch die Quellen,
aus denen die Steuern fließen, immer trockener werden und, wenn man
die Dinge auf die Spitze treibt, Wirtschaft und öffentliche Finanzen
zusammenbrechen müssen. Letzten Endes wird es also gerade die
Masse des deutschen Volkes sein, die unter einer Überspannung der
Steuerpolitik leiden muß (steigende Preise, Arbeitslosigkeit). Diejeni-
gen politischen Führer aus allen Parteien, die heute die Wählermassen
mit Maßnahmen an sich ziehen wollen, die eine Vermehrung unserer
öffentlichen Ausgaben bedeuten, sollten sich darüber klar sein, daß nur
der umgekehrte Weg auf die Dauer für das gesamte deutsche Volk der
richtige sein kann, Reich, Staat, Gemeinden und öffentliche Betriebe
verausgaben an Gehältern und Pensionen über 8 Milliarden, Auch eine
geringe Erhöhung dieser Bezüge bedeutet gleich eine sehr starke Be-
lastung der Steuerpflichtigen. Umgekehrt muß es schon jetzt zweifel-
haft erscheinen, ob überhaupt noch für längere Zeit die deutsche Wirt-
schaft derartig hohe Beträge für solche Zwecke aufbringen kann.
Der deutsche Finanzwissenschaftler Adolf Wagner hat den Satz
aufgestellt, zu dem auch die übrigen finanzwissenschaftlichen Unter-
suchungen gekommen sind, daß die Besteuerung des Einkommens im
Höchstfalle eine Belastung von etwa einem Drittel aushält, Da nun
von den 35 Milliarden Volkseinkommen rund 29 Milliarden im Durch-
schnitt bis zu 10 und 12 % besteuert werden und tatsächlich auch nicht
höher besteuert werden können, müßten die restlichen 8 bis 9 Milli-
arden des Steueraufkommens, wenn dieses gesamte Aufkommen nicht
vermindert werden soll, zum Teil von dem restlichen Teil des Volksein-
kommens gezahlt werden oder in ganz gewaltigem Ausmaße die oben ge-
zeichneten Wirkungen der Abwälzung, Inangriffnahme der Substanz,
Verschuldung und Einschränkung der Wirtschaft zur Folge haben.
Die Unmöglichkeit, die bisherige steuerliche Belastung durchzu-
führen, ist deshalb auch von den meisten Regierungsstellen wie poli-
tischen Parteien anerkannt. Man hat eingesehen, daß das eine ernst-
liche Gefährdung der Wirtschaft, der Lebenshaltung des deutschen