Die wirtschaftliche Bewegung, 25
allgemeinen Kultur gestellt sind, Der Fabrikant, der ein neues Werk-
zeug herstellt, mit dem die Menschheit sich das Leben auch nur ein
wenig erleichtert und verschönt, arbeitet an der Kulturentwicklung
ebenso wie der großzügige Organisator, der für Tausende von Arbeitern
ein behagliches Dasein schafft, ihnen Arbeitswohnungen baut, für
ihrer Kinder leibliches und seelisches Wohl sorgt. Im Dienste der
Kulturentwicklung steht der Kaufmann, der eine kostbare Gemälde-
galerie anlegt oder eine wissenschaftliche Expedition ausrüstet, ebenso-
gut wie der für Politik begeisterte Unternehmer, der sich und sein Ver-
mögen dem Vaterlande zur Verfügung stellt, wenn es darauf ankommt,
im hohen Staatsrat die Entscheidung zu treffen über Handelsverträge,
über Bündnisse mit anderen Nationen, über große Aufgaben, die der
Wohlfahrt des Landes zugute kommen sollen. Für den Ausbau des
Schulwesens sorgt der eine, der andere agitiert für einen neuen Kanal,
dieser richtet sein ganzes Interesse auf die Verschönerung seiner
Heimatstadt, jenen treibt es hinaus, damit er in fernen Erdteilen frucht-
bare Beziehungen anknüpfe, In Stiftungen für arme und altersschwache
Volksgenossen, in der Sorge für Volksbibliotheken, die den Schatz des
Wissens in alle Volkskreise tragen sollen, vornehmlich in der Wahrung
deutscher Art und Sitte, durch die der Unternehmer zu einer führenden
Stelle gelangt, seinen Volksgenossen ein gutes Beispiel gibt, in all
diesen Funktionen erweist sich die wirtschaftliche Entwicklung als ein
mächtiger Hebel der ganzen menschlichen Kulturentwicklung, Mit
einem Worte Schillers haben wir diese Betrachtung, die natürlich
nur den Charakter einer Skizze tragen konnte, begonnen. Mit einem
Ausspruch Goethes dürfen wir sie schließen. An die großen Zu-
sammenhänge zwischen Wirtschaft und Kultur mag der Dichter gedacht
haben, als er seinen Wilhelm Meister sagen ließ: „Ich wüßte nicht,
wessen Geist ausgedehnter sein sollte als der eines Kaufmanns.”