Die Gesundung der Währung in Deutschland, 295
stark passiv, die Warenpreise stiegen. Doch die Mitte April ein-
setzende Kreditrestriktion der Reichsbank, d. h. die Vermeidung wei-
terer Kreditausdehnung, genügte, um die Währungslage wieder zu be-
festigen, Der Erfolg drückte sich nicht nur in einer Erleichterung
des Status der Notenbank aus, sondern auch in anderen wichtigen
Wirtschaftsziffern. Die Devisenlage besserte sich, die angefor-
derten Devisenbeträge konnten in erhöhtem Umfang, seit Anfang
Juni voll, zugeteilt werden, und darüber hinaus konnte die Reichs-
bank ihre Devisenbestände verstärken. Der Kurs der Mark im
Auslande hielt sich stabil, und die Warenpreise schlugen eine sinkende
Richtung ein,
Daß die Kreditbeschränkungen dem Wirtschaftsleben schwere
Lasten und Opfer auferlegen würden, war von vornherein klar, aber
sie mußten in Kauf genommen werden. Die Wirtschaft mußte von den
ungesunden Elementen gereinigt werden, Übrigens handelte es sich
bei den auftretenden Zahlungsstockungen und Konkursen fast aus-
schließlich um Gründungen der schlimmsten Inflationszeit, Soweit
auch alte solide Firmen, die sich von leichtfertigen Spekulationen fern-
gehalten hatten, in Schwierigkeiten gerieten, versuchte die Reichsbank
stets zu helfen, freilich nur innerhalb der ihr durch die Rücksicht auf
die Währung gezogenen Grenzen. Sie war vor allem bestrebt, im
Rahmen des für richtig erkannten Kreditkontingents eine möglichst
zweckmäßige Verteilung der Kredite vorzunehmen unter dem Gesichts-
punkte volkswirtschaftlicher Notwendigkeit und Dringlichkeit. Ferner
war die Reichsbank bemüht, die krisenhaften Auswirkungen der
Kreditbeschränkung durch ihre Zinspolitik soweit wie irgend möglich
zu mildern, und hielt, besonders auch mit Rücksicht auf die Landwirt-
schaft, beharrlich an dem Diskontsatz von 10 % fest, obwohl die Sätze
des freien Marktes bei dem starken Mißverhältnis zwischen Angebot
und Nachfrage an Leihkapital sich zeitweise ganz erheblich über den
offiziellen Satz stellten. Mit der einfachen Anwendung der Diskont-
schraube war unter den geschilderten ganz außergewöhnlichen Um-
ständen der Geldmarkt nicht zu regeln. Die Erfahrung hat gelehrt, daß
der angestrebte Erfolg mit der Kreditbeschränkung auch ohne über-
mäßige Steigerung des amtlichen Diskontsatzes erreicht werden
konnte. Eine weitere Erleichterung der Kreditlage erstrebte die
Reichsbank dadurch, daß sie ihren ganzen Einfluß einsetzte, um alle
verfügbaren Kapitalien, besonders die öffentlichen Gelder, straff zu-
zammenzufassen und auf volkswirtschaftlich gesunde Zwecke hinzu-
lenken. Um die Kapitalbindung auf längere Fristen zu begünstigen, hat
ferner die Reichsbank den Kreis der lombardfähigen Papiere durch
Einbeziehung von auf Sachwert basierenden Schuldverschreibungen