Full text: Die deutsche Wirtschaft

Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft, 29 
unternommen, Deutschland auszuschalten. Wollte man das tun, so 
müßte man es zu einem internationalen Verkehrshindernis in der Mitte 
Europas machen und würde damit das schnellste aller internationalen 
Verkehrsmittel auf wichtigen festländischen Strecken verkrüppeln. 
Aus ähnlichen Gründen wird sich auch die Knebelung der deutschen 
Flugzeug-Industrie auf die Dauer schwerlich durchführen lassen. Es 
gibt eine Solidarität der Weltwirtschaft, die man nicht ungestraft 
verletzt, 
Immer schlechter wurde die deutsche Valuta, immer geringer da- 
her die Einkäufe Deutschlands auf dem Weltmarkt, immer bedroh- 
licher spitzten sich angesichts der Not und der Verelendung breiter 
Schichten in Deutschland die Verhältnisse zu. Daß wir das Chaos über- 
wunden und an Stelle unserer alten, zertrümmerten, schließlich vom 
Veitstanz befallenen Währung eine neue aufgebaut haben — dieses 
„Rentenmarkwunder“” gehört zu den erstaunlichsten Tatsachen 
der Wirtschaftsgeschichte aller Zeiten und Völker. Noch heute ver- 
steht man im In- und Auslande nicht, wie es möglich war. Dem organi- 
satorischen Geschick und dem Wiederaufbauwillen des deutschen 
Volkes stellt es ein treffliches Zeugnis aus. 
Aber es hat uns vor neue gewaltige Aufgaben gestellt. Das Da w e s- 
Abkommen verkörpert die Einsicht der Siegermächte, die leider 
mehrere Jahre zum Ausreifen nötig hatte, daß auch die übrige Welt, 
wie McKenna es bereits vor einigen Jahren ausdrückte, sich politisch 
und wirtschaftlich besser stehen würde, wenn die deutsche Valuta die 
Höhe des Vorkriegsstandes wieder erreichte und auf ihr bliebe. Zu- 
gleich aber legt das Dawes-Abkommen, im August 1924 nach heftiger 
Opposition eines großen Teiles der öffentlichen Meinung Deutschlands 
durch Regierung und Reichstag beschlossen, der deutschen Volkswirt- 
schaft die allerschwersten, großenteils unerfüllbare Verpflichtungen 
auf. Auf die Dauer wird Deutschland, durch Gebietsabtretungen, 
Bevölkerungsverluste und Kapitalschwund in seiner wirtschaftlichen 
Kraft arg geschwächt, nicht imstande sein, die von dem Abkommen 
befohlenen Zahlungen zu leisten, Irgendwie wird es, ebenso wie 
sein weit schlimmerer Vorgänger, der Versailler Vertrag, revidiert 
werden müssen, Die weltwirtschaftliche Vernunft wird dazu zwingen, 
die in dem Dawes-Abkommen zum ersten Male ein wenig zu Worte 
kommen durfte, 
Es geht von der Überzeugung aus, daß Deutschland ein unentbehr- 
liches Glied in dem Organismus der Weltwirtschaft ist, daß man es 
also nicht mißhandeln kann, ohne die anderen Glieder dieses Organis- 
£
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.