Full text: Die deutsche Wirtschaft

Deutsche Wasserstraßenpolitik, 339 
neuen westlichen Wasserstraßen Abmessungen für 600-t-Schiffe, für die 
östlichen solche für 400-t-Schiffe vorsah. Größere Abmessungen hätten 
auch zur Deckung der Kosten Schiffahrtabgaben in einer Höhe 
erfordert, die vielleicht die Verkehrsentfaltung beinträchtigt hätten. 
Für das östliche Wasserstraßennetz brachte das Gesetz die Ver- 
besserung der Oder-Weichsel-Wasserstraße, der oberen Oder, dabei 
insbesondere den Aufstau der Oder von der Neißemündung bis Breslau, 
neue Bauten an der unteren Havel und der oberen Spree und ferner 
einen neuen Großschiffahrtsweg Berlin—Stettin, den Hohenzollern- 
kanal. Für Nordwestdeutschland wurde der Bau des Rhein-Weser- 
Kanals und seine Fortsetzung bis Hannover beschlossen, der den Dort- 
mund-Ems-Kanal mit der Weser und zugleich durch den Rhein-Herne- 
Kanal mit dem Rhein verbindet. Zur noch weiteren Erschließung des 
Ruhrgebietes wurde der Bau eines Lippe-Seitenkanals von Wesel nach 
Hamm und Lippstadt vorgesehen. Die Verbindung zwischen den west- 
lichen und den östlichen Wasserstraßen, die Kanalstrecke von Hannover 
zur Elbe, die als wichtigstes Glied der deutschen Wasserstraßen den 
gesamten Schiffahrtsverkehr im besonderen Maße befruchtet haben 
würde, mußte jedoch, obgleich die Regierung jahrelang um sie gekämpft 
hatte, von der Wasserstraßenvorlage abgesetzt werden. Der Wider- 
stand der Konservativen im Preußischen Landtag, der teils aus 
politischen Erwägungen entsprang, teils aus Befürchtungen, die Wasser- 
straßen würden den Absatz der Landwirtschaft gefährden, hatte den 
„Mittelland-Kanal“ zu Falle gebracht. 
Die so beschlossenen Kanäle konnten bis zu Beginn des Welt- 
krieges zumeist dem Verkehr übergeben werden und haben während 
des Krieges, als die deutschen Eisenbahnen durch die militärischen Auf- 
gaben überlastet wurden, wesentlich dazu beigetragen, daß die 
deutschen Wasserstraßen den an sie herantretenden dringenden 
Anforderungen des Güterverkehrs gerecht werden konnten. Durch die 
Erfahrungen im Kriege ist aber auch erkannt worden, welch Fehler 
dadurch begangen wurde, daß der Mittelland-Kanal ein Torso geblieben 
war; und noch während des Krieges wurde der Plan wieder auf- 
genommen, ihn durch die Verbindung zwischen Hannover und der Elbe 
zu vollenden, und die Durchführung wurde bald nach dem Kriege trotz 
der ungünstigen Lage vom Reich beschlossen, und zwar für die Befahrung 
von Schiffen bis zu 1000 t, Den Bestrebungen, die nach dem Kriege 
in weiten Kreisen der Bevölkerung dahin gingen, durch Schaffung 
weiterer Wasserstraßen die deutsche Volkswirtschaft zu fördern, 
konnte das Reich infolge der immer ungünstiger werdenden Finanzlage 
nur in geringem Maße entgegenkommen; so wird zur Zeit noch der 
Lippe-Seitenkanal seiner Vollendung entgegengeführt; mit dem Bau des 
09%
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.