Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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noch gedacht!); es ist aber nichts daraus geworden, was angesichts 
des Machtverhältnisses zwischen beiden Ländern auch begreiflich 
ist. Denn die enge Verbindung mit Frankreich sicherte keines- 
wegs eine Gleichstellung mit diesem in handelspolitischer Beziehung. 
Während z. B. trotz aller Verbote die Fahrt von England nach Frank- 
reich 1800 dauernd zunahm?®), waren die holländischen Kaufleute 
genötigt, sich jenen Verboten gehorsam zu unterwerfen; auch über 
Hamburg versorgte sich Frankreich mit englischen Kolonialwaren; 
die holländischen Kaufleute mußten ruhig zuschauen, wie England 
das Monopol in diesem Handel an sich riß?). Trotz aller Verbote 
ließen sich andererseits die Ausfuhren von Holland nach England nicht 
ganz verhindern; im Herbst 1800 fanden große Sendungen von 
Käse und Butter dorthin statt, so daß die Preise dieser Waren 
plötzlich in die Höhe gingen. Das machte die französischen 
Behörden aufmerksam; und es erging ein scharfer Befehl Bona- 
partes gegen solche Ausfuhren*). Dies wurde alles um so strenger 
gehandhabt, als Bonaparte damals gegen die Holländer, ins- 
besondere gegen Amsterdam sehr verstimmt war, weil dieses ihm 
die so notwendigen Geldmittel verweigert hatte®). Auch für die 
Einfuhr englischer Tuche setzte sich Amsterdam ein; diese war 1801 
für einige Zeit freigegeben und wurde Anfang 1802 auf Drängen 
Amsterdams länger ausgedehnt, da sonst die Einwohner sich ge- 
nötigt sähen, die teureren und geringwertigen einheimischen 
Stoffe zu verwenden®). Das war in der Zeit des Friedens von Luneville 
(9. Februar 1801), als die Hoffnung auf einen allgemeinen Frieden 
sich verstärkte. Nach dem Frieden von Amiens (25. März 1802) 
schienen für die Niederlande bessere Tage anzubrechen; die Kauf- 
1) Colenbrander, Gedenkstukken, III, 47 ff. Noch 1806 wurde ein 
Handelsvertrag zwischen beiden Ländern in Aussicht genommen, der ebensowenig 
zur Ausführung kam (Darmstädter, Studien, 1905, S. 115.) 
?) Man schob diese Duldung des Verkehrs mit England, die auch Antwerpen 
zugute kam, während Amsterdam an ihr nicht teilnahm, dem Ärger Bonapartes 
über den Mißerfolg der Geldnegociation Marmonts zu (Colenbrander, 
I, 31: £.). 
3) Ebenda, III, 595, 609 f. 
4) Ebenda, III, 171 ff., 179. Bonaparte an Talleyrand am 16. Dezember: 
es sei Grundsatz, ‚de ne plus laisser sortir un seul grain de ble pour quelque pays 
que ce soit“. 
5) Colenbrander, Napoleon en Nederland, S. 104 ff. 
Ss) Colenbrander, Gedenkstukken, IV, 187, 192,194}
	        
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